LINDAU – Zufrieden mit der musikalischen Leistung, aber enttäuscht vom Besuch: So dürfte wohl das Resümee der Veranstalter nach dem ersten Konzert in der Münster-Kirche lauten. Selbst Bachs populäre „Brandenburgische Konzerte“ haben es nicht vermocht, dem eher unpopulären Preisniveau dieser Klassikreihe eine größere Akzeptanz zu verschaffen.
Dabei hatte schon die achtsätzige Ouvertürensuite zu Händels Oper „Ezio“ das Zeug, das Herz jedes Konzertfreundes höher schlagen zu lassen. Sechs Bläser schufen mit der großzügig besetzten Streichergruppe ein festliches Klangbild, das so recht in die barocke Umgebung passte. Und es war ein Vorgeschmack zum identischen Instrumentarium des Schlusswerkes, Bachs 1. Brandenburgischem Konzert. Bei dieser selten gespielten Ouvertüre stimmte die Balance, der Vorwärtsdrang in den Allegro-Sätzen blieb zügig, ohne zu hetzen, und die Hörner im „Pour les Chasseurs“ klangen nach Jagd, nicht nach Hatz.
Einen starken klanglichen Kontrast bildete das ganz auf die (dunklen) Streicher beschränkte 6. Brandenburgische Konzert. Allerdings konnte der Dialog zwischen Bratschen und Celli nicht den selbstverständlichen Fluss entwickeln, den dieses heikle Werk braucht und der in besonders geglückten Interpretationen noch klarer wird.
Auch beim nachfolgenden 3. Brandenburgischen Konzert verzichtete Bach auf jegliche Bläserstimme und damit auf einen imposanteren Klang. Die Verstärkung um drei Violinen bewirkt hier jedoch eine hellere Grundstimmung, die der satte „Drive“ im Schlussallegro noch zusätzlich erhöht. Die jungen Musikerinnen und Musiker des „Mozart-Ensembles Berlin-Brandenburg“ agieren dabei lebendig und zupackend und machen deutlich, weshalb die Bearbeitung von Sätzen wie diesem so reizvoll für Jazzmusiker geworden ist.
An den Schluss dieses Konzertes hatte Armin Thalheim, der das Ensemble vom Cembalo aus leitete, natürlich das prächtige 1. Brandenburgische Konzert gesetzt. Neben den Streichern sorgen hier drei Oboen, zwei Hörner und ein Fagott für Klangfarben in geradezu verschwenderischer Fülle, und vornehmlich die Bläsersolisten konnten dabei zeigen, dass sie allesamt Meister ihres Fachs sind. Insbesondere in den Triopassagen des Menuetts übersprangen sie die zahlreichen musikalischen Hürden souverän und sorgten so für einige packende Momente innerhalb dieses Werkes.
Zweiter Teil am Donnerstag
Bis zum zweiten Teil dieser Reihe am kommenden Donnerstag wird das Ensemble noch mehrere Auftritte in Bayern absolvieren. Bleibt zu hoffen, dass das zu erwartende Mehr an spielerischer Abgeklärtheit auch das verdiente Mehr an Zuhörern nach sich zieht.