LINDAU – Werke von rund einem Dutzend englischer Komponisten hatte die „Lindauer Bläsergruppe“ bei ihrem Jahreskonzert im Gepäck – und alle Zuhörer in der üppig besetzten St. Stephans-Kirche waren neugierig auf den musikalischen Bogen, den das Ensemble um Andreas Baumann diesmal schlagen würde.
England erlebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine wahre kulturelle Blüte: Neben dem literarischen Glanz, den Shakespeare verbreitete, entstand insbesondere in der Musik vieles, was bis heute Bestand hat. Von hier aus nahm die musikalische Zeitreise der Lindauer Bläsergruppe also ihren Lauf. Andreas Baumann hielt dabei in angemessenen Abständen immer wieder inne, um einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Werke, auf die politischen Verhältnisse oder auch das Schicksal des einen oder anderer Komponisten zu werfen.
Die Arrangements enthielten bis zu elf Bläserstimmen, die durch die Hinzunahme von drei Gastmusikerinnen und -musikern auch gekonnt und mit all der Erfahrung, die ihre vielen Auftritte mit sich bringen, umgesetzt wurden.
Wie immer erwies sich die Kirche von St. Stephan als klanggewaltiger und imposanter Resonanzkörper, der den oftmals festlichen Charakter noch unterstrich, wie er etwa in Henry Purcells „Trumpet Tune and Air“ gefordert ist. Zuvor hatten es die Musiker geschickt verstanden, einige kurze Tanzstücke verschiedener Komponisten zu einer stimmigen „Suite“ zusammen zu fassen.
Brass und Gospel
Die musikalisch „dünne Zeit“ Englands – jene also, wo alles von der Wiener Klassik dominiert wurde – repräsentierte ein kurzes, aber reizvoll schwebendes Rondo von James Hook. Dieser wurde zwar noch vor Mozart geboren und starb im Todesjahr Beethovens, seine Bedeutung für die Musikgeschichte blieb jedoch trotz einiger tausend Werke nur gering. Ganz anders Edward Elgar, dessen Ruhm zwar entscheidend, aber gewiss nicht allein den Enigma-Variationen zu verdanken ist, aus denen das klangschöne „Nimrod“ zu hören war.
Den wirkungsvollen, bläsersatten Schlussteil vertrauten die Lindauer Bläser Kompositionen und Arrangements von Elgar Howarth und Chris Hazell an, die zu den Wegbereitern moderner Bläsermusik gehören: Ihnen und ihrem „Philipp Jones Brass Ensemble“ ist es zu verdanken, dass diese Musik zu solcher Qualität und Popularität gelangen konnte.
Drei Gospelarrangements und die obligatorischen Zugaben beschlossen schließlich dieses abwechslungsreiche, musikalisch anspruchsvolle und klug konzipierte Bläserkonzert, und mit ihnen kehrte man auch zum kirchlich motivierten Umfeld der ersten Stücke zurück.