Ein ausgeprägter Sinn für Schönheit

LINDAU – Denys Masljuk gehört mittlerweile zu den „Hauptvermittlern“ von Mozarts Klaviermusik, deren größter Teil inzwischen im Gewölbesaal zur Aufführung kam. Im Zentrum standen diesmal die beiden großen Werke in c-Moll: Die Fantasie KV 475 und die Sonate KV 457.

Der gewichtige Konzertstart im Stadttheater mit Rudi Spring und der Kammermusikabend im Forum am See nur einen Tag später hat jetzt den Mozart-Klavierabend im Gewölbesaal doch ein wenig in den Hintergrund gedrängt, das interessierte Lindauer Konzertpublikum wohl auch ein wenig überfordert. Auf den konzentrierten Vortrag von Denys Masljuk hatte das zwar keinerlei Einfluss, gerade deshalb aber wären ihm ein paar Dutzend Zuhörer mehr zu wünschen gewesen.

Die hätten eine weitere Auswahl aus Mozarts frühem „Londoner Skizzenbuch“ bestaunen dürfen; hätten sich von der im besten Sinne „Händel-lastigen“ C-Dur Suite KV 399 beeindrucken lassen können, und sie wären einmal mehr Zeuge von Mozarts hoher Variationskunst geworden: Die 12 Variationen über „Je suis Lindor“ aus dem „Barbier von Sevilla“ von Antoine-Laurent Baudron fanden in dem ukrainischen Pianisten ihren überlegen gestaltenden Meister, der sich den so unterschiedlichen Teilen mit Akkuratesse und technischer Selbstverständlichkeit näherte.

Im zweiten Teil dann zunächst die c-Moll Fantasie; respektvoll, mit leidenschaftlichem Ernst und großem Tiefgang, erklang dieses Meisterwerk unter den Händen des jungen Künstlers, dem das Publikum gebannt folgte – und das erfolgreich darum bemüht war, diese Stimmung in die nachfolgende Sonate hinüberzuretten, indem es hier auf den störenden Beifall verzichtete.

Lärmender Schluss

Auch hier beeindruckte das differenzierte, dynamisch klug ausbalancierte Spiel von Denys Masljuk, dessen künstlerische Reife und sein ausgeprägter Sinn für die Schönheiten dieser Werke ihren ganz besonderen Ausdruck fanden.

Dass ihm hierfür seine immer feiner werdende Anschlagskultur zugute kommt, gehört zu den schönen Erfahrungen dieses Abends; zu den weniger schönen muss man allerdings den Umstand zählen, dass sich die Zugabe – die lärmend-virtuose Liszt-Bearbeitung von Tschaikowskys Polonaise aus „Eugen Onegin“ – geradezu kontrapunktiv zur aufgebauten Stimmung verhielt.