Mit der Inszenierung von zwei Mozartopern hat Bernhard Leismüller den guten Ruf der Lindauer Marionettenoper begründet. Nun haben er und Ralf Hechelmann „Die Zauberflöte“ ganz neu inszeniert und sind dabei noch tiefer in das Wunder dieser Oper eingedrungen. Die Premiere findet heute statt.
Man kann Bernhard Leismüllers Anliegen verstehen: mit der Vielzahl von Aufführungen „seiner“ Opern und Märchenproduktionen wachsen auch die Fertigkeiten im Umgang mit den Puppen, die Erfahrungen mit den Materalien und auch die Vorstellungen, was Inszenierungsfragen anbelangt. Zusammen mit seinem Partner hat er sich deshalb erneut an Mozarts Zauberflöte gemacht und ihr ein ganz neues Gesicht gegeben.
Gleichzeitig haben sie die legendäre, allerdings in die Jahre gekommene Böhm-Aufnahme durch eine aktuellere Tonaufnahme ersetzt, was dem Klang, aber auch den gesprochenen Texten zugute kommt – eine Anhebung der Lautstärke sollte daher ruhig gewagt werden, da sie nun nicht mehr auf Kosten der Verständlichkeit geht.
Von Beginn an besticht die Neuinszenierung durch sein stimmungsvolles, wahrhaft märchenhaftes Bühnenbild, mit dem sich die verschiedenen Szenenwechsel schier übergangslos bewältigen lassen. Die großartige Tiefenwirkung schafft eins ums andere mal eine zauberhafte Atmosphäre; lediglich die Dauer der allzu großen Dunkelheit bei den Auftritten der Königin der Nacht erscheint etwas lange. Sonst aber reiht sich auf der Bühne ein herrlicher Einfall an den anderen: die fantasievolle Glockenspiel-Kreation etwa, oder die wundersame Vermehrung der ganzen Papageno-Sippe bis hin zu der überzeugenden Lösung, die für die beiden Geharnischten gefunden wurde. Das Spiel mit dem Licht sowie seinen Effekt- und Verwandlungsmöglichkeiten haben die Verantwortlichen zwischenzeitlich zu wahrer Meisterschaft gebracht – und mehr denn je profitiert dabei gerade eine solch „märchenhaftes“ Sujet, wie es „Die Zauberflöte“ darstellt.
Bis auf die „Königin der Nacht“ hat Bernhard Leismüller alle Figuren neu angefertigt und ausgetauscht: sie sind leichter, schlanker und damit auch beweglicher geworden. Und so kommt es, dass die Illusion, es mit wirklichen Darstellern zu tun zu haben, sich diesmal noch schneller einstellt als zuvor. Hier kommt denn auch die vielleicht wichtigste Stärke dieser Aufführung zum Tragen: die Sensibilität, wie hier mittels feiner und kontrollierter Bewegungen auf Mozarts Musik, auf das punktgenaue Geschehen innerhalb der Partitur eingegangen wird, ist frappant: weit entfernt von plumper Motorik oder plakativem Schein zeigt sich gerade in den lyrischen Szenen, wie sehr die Spielerinnen und Spieler um Bernhard Leismüller nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch um künstlerischen Ausdruck ringen. Nicht allein, aber vor allem deshalb hat die Marionettenoper Lindau wieder einmal gezeigt, dass sie mittlerweile eines der maßgeblichen Aushängeschilder für das Lindauer Kulturleben ist.