LINDAU – Es ist schon bemerkenswert, wie es Wilfried Bergmann immer wieder gelingt, das Kirchenjahr mit musikalischen Fundstücken zu bereichern. In der gut besuchten St. Ludwig-Kirche kamen diesmal Werke zur Aufführung, die an das Ende des Kirchenjahres erinnerten. Sie waren dem Andenken an den kürzlich verstorbenen Klaus Werani gewidmet.
Dafür, dass Bergmann schon über zehn Jahre lang kein ständiger Chor mehr zur Verfügung steht, ist seine homogene Werkauswahl immer wieder anspruchsvoll – wohl auch ein Zeichen dafür, dass er bei Bedarf mit entsprechend guten Sängern rechnen kann, um sein „Collegium Vocale“ zusammenzustellen. Dabei scheint ihm mit der Sopranistin Ulrike Friedmann, die als unermüdliche Chorleiterin selbst viel beschäftigt ist, eine vokale Stütze zur Seite zu stehen, die bei Bedarf auch ‚mal den Chor übernehmen kann.
Dies war am Sonntag etwa bei der Motette „Ach, wie flüchtig“ von Andreas Hammerschmidt der Fall, wo Bergmann zur Unterstützung des Continuo als Bratschist agierte. Die anderen jungen Gesangssolisten fügten sich etwas unspektakulär in den wieder einmal souverän und kraftvoll auftretenden Chor ein; doch diese Einschränkung gegenüber der überzeugenden Chorleistung war umso mehr zu verkraften, als der kirchliche Charakter weit über dem „Konzert“- Charakter dieser Abendstunde lag.
Das Programm selbst reichte vom 17. Jahrhundert – einer mollverhangenen Sinfonia von Samuel Scheidt – bis zu zwei Werken von Hugo Distler, die durch kunstvoll verwobene Stimmführung, komplexe Rhythmen und aufregende Intervalle bestachen.
Eine ergreifende Wirkung erzielte auch der dreistimmige Fernchor in einer Motette von Heinrich Schütz, der angesichts der Tiefe, aber auch des Umfanges seiner Werke fast zum musikalischen Zentrum dieser Aufführung wurde. Passend zu diesem Sonntag drehten sich alle Stücke – darunter auch diejenigen, die Michael Sattelberger an der Orgel interpretierte – um die Themen Tod, Auferstehung und Ewiges Leben.
Wie so oft beim „Collegium Musicum“ bildete auch diesmal Johann Sebastian Bach den Abschluss: Der vierstimmige Choralsatz „Mit Fried und Freud“ erinnerte in seiner schlichten Größe wieder einmal besonders nachdrücklich an die großartige Vielfalt, die Kirchenmusik bieten kann.