LINDAU – Mit David Titterington hat der „Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik“ die Reihe der Lindauer Orgelwochen prominent fortgesetzt. Einmal mehr hat sich der Einsatz beider Orgeln als besonders reizvolles Merkmal dieser Reihe erwiesen.
Zu den vornehmen Aufgaben großer Organisten gehört es, nicht nur die technischen Anforderungen zu erfüllen, sondern den Klangfarbenreichtum ihres Instrumentes zu erschließen. Gerade die barocke Marienorgel und die große Steinmeyer-Orgel des Münsters mit ihren unendlich vielen Registriermöglichkeiten bringen dabei immer wieder spannende Kombinationen zu Gehör, denen sich der Hörer kaum entziehen kann. Einer der großen Organisten unserer Zeit, der Brite David Titterington, hat am Montag in der ehemaligen Stiftskirche mit einem klug aufgebauten Programm gezeigt, wie abwechslungsreich dann so ein Konzert werden kann. Bei den beiden kurzen Solostücken von Purcell hat er sonore Klangfarben für die Melodieführung gewählt, die sich markant von den Begleitstimmen abhoben. Dem elegischen, fast dunklen Ton im „Voluntary in G-Dur“ folgten mit John Bulls fünf „Salve Regina“-Variationen filigran und zart artikulierte Darstellungen, die klangschön ausmusiziert wurden. Jeremiah Clarkes „Trumpet Tune“ brachte ein bekanntes, geradezu unbekümmert wirkendes Orgelstück, und nach dem viel beklatschten „Voluntary“ von William Croft wechselte David Titterington schließlich zur großen Steinmeyer-Orgel.
Mit grellen Klangfarben, rhythmischem Schwung und mächtigem Bass widmete er sich zunächst dem „Pièce Héroique“ von César Franck. Noch opulenter ging es teilweise beim Hauptwerk des Abends zu, „Die Himmelfahrt“ von Olivier Messiaen. Geheimnisvolle Fernwirkungen, überraschende Forte-Eruptionen und raffinierte Klangfarben brachten die Orgel zum Rauschen. Dass ein so kräftig wallender Klangteppich sogar nochmals zu steigern ist, bewies das Orgelgewitter, das Jonathan Dove 1959 mit seiner Komposition „Niagara“ entfachte.
Den versöhnlichen Schluss bildete schließlich das Zugabestück auf der Marienorgel, das Titterington noch einmal als sensiblen und bewusst gestaltenden Organisten zeigte.