Großartiger Spielfluss

LINDAU – Nicht einmal das spannende Finale der Bundesliga-Saison hatte das Jahreskonzert der Jugendkapelle beeinträchtigen können: Sogar der erste Rang musste im Stadttheater geöffnet werden, um alle Zuhörer unterzubringen. Ihnen präsentierte Thomas Spieß erneut ein Programm, das gleichermaßen anspruchsvoll wie unterhaltsam war.

Wenn wochen- und monatelang auf ein Konzert geübt wird, das zweifelsohne zu den herausragenden Höhepunkten der Musikschularbeit gehört, dann sind Erfolg und Begeisterung des Publikums Bestätigung und Lohn für die vorangegangenen Mühen. Einerseits. Doch andererseits sind solche öffentlichen Veranstaltungen auch wichtig, um das vielfältige Engagement der Eltern und die dringend benötigte öffentliche Unterstützung weiterhin sicherzustellen. Daran, dass bei aller Begeisterung auch dieser Aspekt nicht in den Hintergrund geraten darf, haben am Eingang verteilte Handzettel erinnert. Denn es sind allein die Eltern, die jetzt die kürzlich beschlossene dreieinhalbprozentige Schulgelderhöhung aufbringen müssen, um Niveau und Anspruch zu halten.

Katharina Rundei hat die zwei Stücke des Vororchesters – eine Gabrieli-Canzone und eine dreiteilige Pop-Suite – souverän vorgestellt. Dabei hat das Zusammenwirken mit den Bläsergruppen der Musikvereine Oberreitnau und Aeschach-Hoyren für klangliche Verstärkung gesorgt und auch gleichzeitig das inzwischen gute Verhältnis zu Lindaus Musikvereinen verdeutlicht.

Die Moderation für die Stücke der Jugendkapelle haben in diesem Jahr die eloquente Caja Barz und Martina Marx übernommen und dabei gleichermaßen Spritzigkeit, Schlagfertigkeit und Humor bewiesen. Monteverdis klangvolle „Intrada“ und „Baroque Fanfare“ haben den Level vorgegeben und die nachfolgenden konzertanten Werke – „To a new Dawn“ und „Festival Pictures“ – haben dann gezeigt, wie großartig Spielfluss, rhythmische Sicherheit und das Spiel mit reizvollen Klangfarben bei diesem Orchester ausgeprägt sind.

Oberbürgermeisterin Petra Seidl würdigte in ihrer kurzen Ansprache die Bedeutung dieser Arbeit für die Jugendlichen, denen damit „Lebensfreude und Lebenssinn“ vermittelt werde, und sprach auch ihren Dank an Thomas Spieß, aber auch an die Eltern aus. Bevor der Bezirksvorsitzende des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, Roland Paulus, die Ehrungen für diejenigen Jugendlichen vornahm, die bei den Konzerten der Musikschule und des Jugendorchesters bereits zehn und 15 Jahre mitwirkten (Michael Evitan, Christoph Schmieg, Andreas Schwarzenböck, Armin Wäspy und Florian Zwetti), betonte auch dieser nochmals die wichtigen Tugenden, die den Schülern durch Musikunterricht vermittelt würden: unter anderem Rücksicht, Sorgfalt, Fleiß und Zuverlässigkeit. Er wies außerdem auf die „Integrationsarbeit für die Gesellschaft“ durch die Musikschule hin und bezeichnete das Jugendorchester als „Aushängeschild der Stadt, die stolz darauf sein kann“. Erich Kirchgatterer nutzte seinerseits die Gelegenheit, seinen „Treuesten“ mit einem ganz persönlichen und wahrhaft geistvollen Geschenk zu danken.

Wahre Beifallsstürme erzielten dann das Tuba-Solo durch Peter Wenzler, der damit für die erforderlichen Spenden für dieses Instrument warb, und Posaunist Constantin Kinder, der Frank Sinatras „My Way“ zwischen herrlichen Big-Band-Tönen gefühlvoll interpretierte. Das rassig gespielte „Mission Impossible“ nutzten die beiden Moderatorinnen, um all diejenigen namentlich vorzustellen, die in diesem Jahr zum erstenmal mitspielen „durften“: erstaunlich, zu welcher Leistung trotz alters- und ausbildungsbedingter Fluktuationsraten Thomas Spieß die Jugendkapelle geführt hat. Vor der heftig erklatschten Zugabe präsentierte diese schließlich noch das aktuelle Wertungsstück „The golden Circle“, wo alle Instrumentalgruppen einschließlich der hervorragenden Rhythmusgruppe noch einmal Proben ihres Könnens zeigen konnten.