LINDAU – Einen stimmungsvolleren Rahmen hätte das „Ensemble Classique“ kaum finden können: auf dem voll besetzten Schrannenplatz ergänzten sich sommerliche Temperaturen mit prächtiger Bläserliteratur zu einem unbeschwerten Konzertabend.
Über Mangel an Akzeptanz oder halbherzige Werbung werden sich die Verantwortlichen des Bodenseefestivals zumindest in Lindau nicht beschweren können: das Konzert mit „klassischer“, zumindest aber populärer Musik für Blechbläser und Schlagwerk wurde wiederum ein voller Erfolg. Auch die Rückgabe der Fragebögen, die für die Auswertung dieses Festivals aufschlussreich sind, erfolgte in großer Anzahl.
Weit sind sie herumgekommen, die sieben Herren des international erfolgreichen Bläsersextetts „Ensemble Classique“, deren Weg 1986 in Bad Wörishofen seinen Anfang nahm. Ergänzt durch die Schlagwerkarbeit Ulrich Heilers ist ihr ungemein vielfältiges, überwiegend selbst arrangiertes Repertoire für nahezu alle Gelegenheiten geeignet.
Entsprechend rennt ein Motto wie in diesem Jahr – „Klassik-Sehnsucht nach dem Schönen“ – bei einer solchen Besetzung offene Türen ein. Auf dem Schrannenplatz präsentierten sie dann zwischen Praetorius, Bach, Brahms und den Beatles auch alles, was sich das Attribut „klassisch“ erworben hat, und erneut taten sie es mit bewundernswerter Perfektion und stilistischem Einfühlungsvermögen.
Dank ihres künstlerischen Leiters und Arrangeurs Winfried Roch bewegt sich das Ensemble sicher auf allen Feldern ihrer Kunst. Es überlässt etwa den Flötenpart von Bachs „Badinerie“ der Posaunenkunst von Peter Seitz, überträgt die Violine von Sarasates „Zigeunerweisen“ an Rolf Ihlers Trompete und schlängelt sich durch die „Abbey Road“ der Beatles, als wäre die eigentlich für Bläser geschrieben. Ein humorvoller Durchmarsch durch die Ballettkompositionen dieser Welt bedient den Spaß am Wiedererkennen und dass Mozarts „Türkischer Marsch“ auf der Posaune durchaus seinen Reiz hat, wird manchen Klavierspieler erleichtert haben.
Sympathisch wurde abschließend auf die Möglichkeit des CD-Kaufes hingewiesen, der gleichzeitig auch „Kindern in Not“, einem UNESCO-Projekt zugute kommt; der in halsbrecherischem Tempo vorgetragene „Hummelflug“ wird dabei als Zugabe das Seine getan haben, diesen Kauf noch stärker in Erwägung zu ziehen.