Zeit, Raum und Musik ideal verbunden

LINDAU – Geeigneter, als es die Spitalkapelle war, konnte eigentlich kaum ein anderer Ort für dieses Konzert sein: Neben dem kunstvollen Holzrelief der Abendmahlszene und dem Kreuz hat das Mozart Ensemble Berlin-Brandenburg Haydns Streichquartettfassung von „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ gespielt.

Hospitalleiter Volker Lukas war zu Recht glücklich darüber, dass er für den Karsamstag eine solch ideale Verbindung zwischen Zeitpunkt, Raum und Musikanbieten konnte. Darüberhinaus mag es für die Konzeption der Reihe „Spitalkonzerte Lindau“ sprechen, wenn zu gewissen Anlässen wie jetzt den Osterfeiertagen auch programmatische Schwerpunkte gesetzt werden können.

Diesmal hatte sich der künstlerische Leiter Roland Treiber sogar selbst ins musikalische Geschehen eingebracht, was bei Haydns ebenso großartiger wie ungewöhnlicher Komposition durchaus Sinn macht: Jeweils zu Beginn der „Sieben letzten Worte“ hat er zunächst die lateinische Zeile gesungen und anschließend den entsprechenden Text auf Deutsch deklamiert. Das war im Gesang zwar gewöhnungsbedürftig, hat aber den Bezug auf den melodischen Verlauf der anschließenden „Sonata“ umso deutlicher gemacht.

Es ist ein großes und ernstes Werk, dieses Opus 51 von Joseph Haydn, und es liegt nicht nur als Streichquartett vor, sondern auch als Oratorium, Orchesterfassung und als Klavierauszug. Zwischen den sieben meditativen, oft ergreifenden Sätzen gibt es kaum Kontraste, lediglich die Einleitung und das Presto des abschließenden „II Terremoto“ – dem Erdbeben – sorgen diesbezüglich für atmosphärische Abwechslung.

Die Erhabenheit, aber auch die Intensität und das Ergreifende dieser Komposition kommen dabei in der gehörten Streichquartett-Fassung am unmittelbarsten zur Geltung. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Künstler, aber auch an die Konzentration und die Bereitschaft der Zuhörer. Letztere wurden durch die stimmige Umgebung besonders begünstigt. Und die feierliche Stille in dieser Spitalkapelle hat die Entscheidung, diesmal nicht in den Gewölbesaal zu gehen, noch einmal bestätigt.

Mancher mag überrascht gewesen sein, dass man mit der Aufführung dieses Werkes ein so junges Streichquartett betraut hat – immerhin verlangt es für eine angemessene Interpretation mehr als viele andere Werke dieser Gattung einen hohen Grad an Durchdringung, was eine entsprechende künstlerische Reife voraussetzt. Das Mozart Ensemble Berlin-Brandenburg hat mit Thomas Otto einen zuverlässigen und technisch versierten ersten Geiger in seinen Reihen, von dem aus viele Impulse und dynamische Abstufungen weitergegeben und auch umgesetzt wurden. Felix Korinth an der Bratsche hat diese fast mit sportlichem Übermut aufgenommen, während Andreas Schmitt am Cello um größte Zurückhaltung und Vorsicht bemüht war.

Allerdings lenkte die äußerliche Unbekümmertheit der Musiker in der gegenseitigen Abstimmung doch ein wenig vom schmerzvollen Pathos und dem großen Ernst dieser Musik ab. So stellte sich bei allem Respekt vor dem erstaunlichen Können dieser jungen Künstler immer wieder auch der Eindruck ein, dass sie vielleicht mehr an der äußeren Wirkung als am tatsächlichen Gehalt dieser großartigen Komposition gearbeitet haben könnten.

Unabhängig davon aber bleibt dem Mozart-Ensemble wie auch den weiteren Verantwortlichen das Verdienst, den Karsamstag um ein besonders passendes Konzert bereichert zu haben.