Auf überaus hohem Niveau

LINDAU – Man muss Wilfried Bergmann dankbar dafür sein, dass er mit seinem „Collegium Musicum“ nicht nur das Kirchenjahr um hochinteressante Musik bereichert, sondern zugleich seinen Chor mit ehrgeizigen Aufgaben versorgt und darüber hinaus sein Publikum am Reichtum dieser Musikgattung teilhaben lässt.

Wahrscheinlich hat auch die überaus gelungene Umgestaltung von St. Ludwig geholfen, dass trotz schönsten Wetters nahezu hundert Zuhörer der nachmittäglichen Passionsmusik des „Collegium Vocale“ beiwohnen wollten. Wilfried Bergmann hatte diesmal zwei ganz unterschiedliche Chorwerke ausgewählt, die er zwischen ein besinnliches Ricercare von Johann Pachelbel und ein mächtiges Präludium von Joseph Gabriel Rheinberger gestellt hat. Der Stuttgarter Michael Sattelberger wusste dabei stilvoll die Register der Orgel von St. Ludwig einzusetzen.

Der böhmische Komponist Jan Dismas Zelenka erfährt in den letzten Jahren immer größere Beachtung und so nimmt es nicht wunder, dass auch Bergmann auf seiner unentwegten Suche nach großer, aber fast vergessener Kirchenmusik auf ihn gestoßen ist. 27 Responsorien – liturgische Wechselgesänge – hat Zelenka für die Karwoche geschrieben, drei davon hat das „Collegium Vocale“ jetzt zur Aufführung gebracht.

Es sind Stücke voller Ausdruckskraft und erhabener Schönheit und der Einbezug eines vierstimmigen Favoritchores verleiht ihnen einen zustätzlichen Zauber. Ulrike Friedmann, Gertrud Fersch, Jörg Heide und Steffen Farian bewältigten diesen Part mit feinem Gespür für Dynamik und Klangfarbe, und der Capellchor übernahm beides mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit. Das mag auch an der guten Balance zwischen Frauen- und Männerstimmen liegen, die das „Collegium Vocale“ in dieser Verfassung für solch anspruchsvolle Literatur geradezu prädestiniert.

Schnörkellos und unprätentiös interpretierte dann Gertrud Hiemer, Leutkirch, das Kyrie, Graduale und Agnus Dei aus Rheinbergers „Missa puorum“, ehe dann sein vierstimmiger Passionsgesang op. 46 für einen romantischen, fast volksliedhaften Ausklang sorgte.

Noch einmal konnte das „Collegium Vocale“ sein derzeitiges Niveau unter Beweis stellen und gleichzeitig Neugierde auf das wecken, was er in den drei nächsten Konzerten bis Juni präsentieren wird.