LINDAU – Ein volles Haus belohnte die Initiatoren der Musikschule, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums einen musikalisch und inhaltlich gehaltvollen Nachmittag auf die Beine gestellt hatten. Dass das heutige Ansehen dieser Einrichtung hart erkämpft war und sie nach wie vor fleißig um den Status als öffentliche Selbstverständlichkeit werben muss, zeigte mancher Redebeitrag.

Es war eine musikalische Verneigung vor dem verstorbenen Gründer Walter Müllenberg, aber auch eine Geste der Verbundenheit, wenn nun seine Witwe Annemarie Müllenberg Händels Festliche Suite zum Auftakt dirigierte. Mit Elisabeth Mayer, die maßgeblich am Aufbau der Musikschule beteiligt war, befand sich sogar eine Musikerin unter den Ehemaligen, die das gleiche Stück schon am 11. November 1951 bei der Eröffnung der Musikschule mitgespielt hatte. Die nachfolgende Fanfare von Buxtehude – vom Blechbläserensemble um Thomas Spies kraftvoll und souverän vorgetragen – wirkte dann wie der passende Einstieg einer Institution, die stolz auf das bisher Erreichte sein kann.

Oberbürgermeisterin Petra Seidl erinnerte dann auch an die großen Glanzpunkte innerhalb der „Kulturgeschichte der Stadt“, für die die Musikschule gesorgt hatte und bestätigte ihr, den „kultur- und bildungspolitischen Auftrag“ erfüllt zu haben. Sie führte dankbar vor Augen, wie viele bisher durch persönlichen, finanziellen und ideellen Einsatz an ihrem Erhalt und Erfolg beteiligt waren; insbesondere würdigte sie den „unschätzbaren Wert“, den die Schülereltern erbringen, erwähnte aber auch den Beitrag des Landkreises, des Freistaates und des Stadtrates, der bisher „finanzielle Unterstützung gewährt“ habe. Zwei kontrastreiche Stücke, die wiederum das glänzend aufgelegte Blechbläserensemble vortrug, leiteten dann zur Festrede des Schulleiters Gerhard Kirchgatterer über.

Er ließ noch einmal die Hochs und oft existenzbedrohenden Tiefs der Musikschul-Geschichte Revue passieren, sprach von den Jahren der ungesicherten Finanzierung und vom langen Zeitraum, in dem die Stadt allein auf den Idealismus der Musiklehrer zu bauen schien. Der dadurch bedingten Fluktuation und Abwanderung, die fast zur Auflösung geführt hätte, begegnete vor allem der dafür dankbar gewürdigte Fritz Wagner; die damalige Unterschriftenaktion gegen eine starre Haushaltspolitik sorgte für die ersten vier Planstellen. Erst 1980 aber wurde dann mit Gerhard Kirchgatterer ein hauptberuflicher Schulleiter eingesetzt – in seiner Rede zeigte sich dieser jetzt noch froh, beim damaligen Vorstellungsgespräch noch nichts von der „dramatischen Vorgeschichte“ der Musikschule gewusst zu haben. Für ihn ist es nach wie vor bedauerlich, dass Bodolz, Nonnenhorn und Wasserburg ihre Zuschüsse gestrichen haben, da dies eine schmerzhafte Schulgelderhöhung für Schüler aus diesen Gemeinden bedeutete.

Nützen und schützen

Nach einem viel beklatschten „Drei-Generationen-Geburtstagsständchen“ der Familie Börner und Ausschnitten aus der „Wassermusik“ durch das Jugendsinfonieorchester war es die Vorsitzende des bayerischen Sing- und Musikschulverbandes, Eva Szameitat, die ein rhetorisch brillantes Plädoyer über den Sinn und die Unterstützungswürdigkeit von Musikschulen hielt. Den Vergleich der Musikschulen mit der Feuerwehr – nützen und schützen – belegte sie mit eindrucksvollen Beispielen und Zahlen. Auch gegenüber dem gerne benutzten Hinweis auf den ebenso wichtigen Sport bezog sie für die Musik Stellung: Im Sport kämpfe man meist gegeneinander, es gebe Verlierer und Abgrenzung, während man in der Musik meist gleichberechtigt sei und stets miteinander spiele. Für sie diene eine solche Einrichtung neben allen zu erwerbenden Fähigkeiten auch als Einstieg in die „musischkulturelle Menschenbildung.“

Die hervorragende pädagogische und musikalische Arbeit der Musikschule Lindau war für den Verband Anlass, die Goldene Stimmgabel an Gerhard Kirchgatterer zu überreichen. Mit einem mitreißenden Potpourri mit Melodien aus der „West Side Story“ sorgte dieser mit seinem Jugendsinfonieorchester für einen fulminanten musikalischen Abschluss.