Kirchenkonzert von höchster Qualität

LINDAU – Mit dem Collegium Musicum Freiburg, dem international renommierten Freiburger Vokalensemble und bekannten Solisten wie etwa der Sopranistin Sibylla Rubens stand die Stiftskirche erneut für höchste musikalische Qualität. Zur Aufführung kamen Mozarts beide Vespern sowie zwei Kirchensonaten.

Inmitten der gegenwärtigen „Kulturschwemme“ darf man froh sein, wenn wenigstens die Highlights darunter hinlängliche Beachtung finden. Darüber, dass dazu das samstägliche Kirchenkonzert zu rechnen ist, waren sich offenbar so viele Interessenten einig, dass man von einem alles in allem erfreulichen Besuch in der Stiftskirche sprechen konnte.

Unter der auf Präzision und Vitalität bedachten Leitung von Wolfgang Schäfer gab es die seltene Möglichkeit, die beiden einzigen Vespern Mozarts hintereinander zu hören. Beide Kompositionen standen bereits unter dem Verdikt Kaiser Josephs II., der einer allzu üppigen Ausstattung kirchlicher Musik streng entgegenwirkte. Immerhin, das enge instrumentale Korsett aus erster und zweiter Violine, Orgel und Bass ergänzte Mozart um zwei Trompeten, drei (!) Posaunen und Pauken, die ihm vielfältigste Ausdrucksmöglichkeiten erlaubten. Für einen der schönsten musikalischen Momente in Mozarts Vokalmusik – dem „Laudate dominum“ aus der zweiten Vesper – hatte sich Wolfgang Schäfer glücklicherweise für die (erlaubte) Hinzunahme eines Solofagotts entschieden. Selten hat man dieses Kleinod so innig und transparent gehört, dabei bar jeder romantischen Verklärung. Die versammelte musikalische Kompetenz aus Freiburg bestach durch den unglaublich organischen Wechsel zwischen dem 27-köpfigen Chor und den vier Solisten, unter denen insbesondere Sibylla Rubens mit ihrem klaren, dabei warmen und facettenreichen Sopran hervorstach. Das Orchester agierte dazu mit feinster dynamischer Abstufung, unterstrich die zur Klangpracht neigenden Stellen, blieb aber gleichermaßen unaufdringlich wie präsent in den Sätzen, wo barocker Gestus und kontrapunktische Behandlung gefragt waren: ein Paradebeispiel absoluter Klangbalance unter den schwierigen akustischen Bedingungen einer Kirche.

Mit denen wurde auch Jan-Sören Fölster als Solist bei den beiden Kirchensonaten KV 336 und KV 263 „spielend“ fertig: überraschend zart, beinahe leise erklang seine kleine Orgel, doch das Orchester folgte auch hier den klaren, diesmal auf Zurücknahme angelegten Vorgaben seines prominenten Dirigenten, so dass die reizvollen Klangfarben dieser kleinen Werke besonders hörbar wurden. So hatten am Ende nicht nur die schon während des Kirchenkonzertes ziemlich klatschfreudigen Besucher, sondern auch alle anderen mehr als genug Anlass, einer Aufführung von besonderem Rang zu applaudieren.