Experiment wird zu großem Erfolg

LINDAU – Auf zweierlei durfte man diesmal gespannt sein: zum einen darauf, wie sich ein Orchesterkonzert im großen Rund der Tanner-Fabrik machen würde. Zum andern, wie überzeugend vier junge Pianisten mit zwei der berühmtesten Klavierkonzerte und der „Rhapsody in blue“ zurechtkommen würden.

Eine Besprechung über den großartigen Erfolg dieses Konzertes beginnt man nicht damit, daß auch das „Jugendsymphonieorchester Dornbirn“ das Zeug für den Nachweis liefern kann, weshalb das Klarinetten-Glissando am Beginn der „Rhapsody in blue“ so berüchtigt ist. Gleichwohl gehört der Hinweis an vorderste Stelle, dass es dem Dirigenten Guntram Simma gelungen ist, so viele junge Musikerinnen und Musiker im Laufe der Jahre zu einem solch eindrucksvollen Orchesterkörper zu formen. Wie also würde das Publikum zunächst auf das neue Raumangebot reagieren?

Rund Fünfhundert kamen, und die schienen von der Möglichkeit, den Musikern gewissermaßen von allen Seiten und erhöht zuschauen zu können, mehr als begeistert. Die professionell ausgeleuchtete Bühne in der Mitte zauberte die rechte Konzertatmosphäre herbei, und an den direkten, ein wenig trockenen Klang konnte man sich bald gewöhnen. Zwar musste sich der Flügel in den tieferen Lagen zuweilen kräftig gegen den satten, gelegentlich ziemlich robusten Orchesterklang stemmen, um sich dessen gewaltigem Volumen anzunähern, doch bekamen das die Pianisten immer besser in Griff.

Für Orchesterkonzerte jedenfalls scheint die „Denkfabrik“ gegenüber dem Mehrzweckhallen-Image der Inselhalle und der chronischen Enge der Stadttheaterbühne eine attraktive Alternative zu sein — ein Erfolg, der der Weitsicht von Tanner und der Rührigkeit des „Internationalen Konzertvereines“ zu verdanken ist. Solistisch ging es derweil auf einem solch hohem Leistungsniveau weiter, dass die öffentliche Wahrnehmung sich vom ursprünglich konzipierten Klaviermeisterkurs immer stärker dem sich gleichzeitig anbietenden – und auch ganz offiziell angebotenen – „Klavierfestival junger Meister“ zuwendet. Beides zusammen dürfte der ehrenvollen Absicht, Künstler, Öffentlichkeit und auch Sponsoren einander näher zu bringen, entgegenkommen. Dabei kann es nicht Sinn einer solchen Besprechung sein, die analytische Kompetenz von Professor Karl-Heinz Kämmerling hinischtlich der aufspielenden Meisterschüler durch eine Rezensentenmeinung zu ergänzen.

Dass Igor Levit eine nicht nur rhythmisch überzeugende „Rhapsody in blue“ dargeboten hat, Michail Lifits das 2. Rachmaninoff-Konzert, welches den heroischen Charakter ebenso zu fassen wusste wie die lyrischen Töne, und dass sich schließlich der Luxemburger Jean Muller (1. Satz) Tschaikowskys b-moll-Konzert mit dem Russen Petr Ovtscharov (2. und 3. Satz) so aufteilte, dass beide besonders enthusiastisch gefeiert wurden, sei daher nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Der begeisterte Beifall entlud sich aber auch über den jungen Orchestermusikern, die ihren Part an allen Pulten gekonnt, rhythmisch präzise und in unerhörter Zuverlässigkeit absolvierten. Daran jedenfalls, daß der Funke bei diesem Konzert schon so früh auf das Publikum übergesprungen ist, hat das „Jugendsymphonieorchester Dornbirn“ einen ganz erheblichen Anteil.