Krebs

Eigene Erfahrungen mit Krebs

Wie kann man sich einem Stück nähern, das seine Wirkung fast ausschließlich dem Thema „Krebs“ verdankt und sich den üblichen Maßstäben einer Theaterkritik weitgehend entzieht? Ein Versuch.

Natürlich hätten sich die Akteure – alle Teilnehmer einer Krebstherapie – mehr Zuschauer gewünscht. Seitens der Tagungsteilnehmer konnte kein Ansturm erwartet werden, wenn gleichzeitig das „Rosamunde-Quartett“, die Gastronomie und jene Theateraufführung von krebsbetroffenen Amateurschauspielern zur Auswahl standen.

Diese hatten persönliche Erfahrungen in eine Collagenform gebracht, die auf der Bühne unterschiedliche Aspekte zu verlebendigen vermochten, denen Krebserkrankte ausgesetzt sind. Wie real diese sind, machte auch die Nachricht deutlich, dass inzwischen zwei Mitspieler – 65 Jahre der eine, 33 die andere – verstorben sind und durch andere Schicksalsgefährten ersetzt wurden. Oder auch diese Situation: da steht eine junge Frau maskiert auf der Bühne, entblößt zunächst ihre schöne rechte Brust und setzt das dann auf der anderen Seite fort, die jedoch nur noch den Anblick einer gelungenen Amputation gestattet – aus der Sicht mancher Frauen wohl auch ein schwer zumutbarer Anblick. Vom unsensiblen Umgang vieler Ärzte mit solchen Menschen ist häufig die Rede, wo die Angst vor der Diagnose seltsame Wortschöpfungen wie „nicht ganz gutartig“ gebiert. Auch vom immer wieder hilflosen Gestammel vieler Ehemänner, deren Vorstellungen über die wirklichen Bedürfnisse der kranken Partnerin von grandioser Unkenntnis geprägt sind.

Der humorigen und durchaus Kräfte spendenden Versammlung im Reha-Warteraum steht dann als wohl eindrucksvollste Abendszene der Abschied einer Sterbenden gegenüber.

Auch wenn zugestanden wird, dass dieser nicht immer so würdevoll verläuft, so schimmert doch jenes Ideal durch, das oft durch die Haltung vieler Sterbenden, die sich nun in ihr Schicksal gefügt haben, begünstigt wird.

Es war ein langer, ungewöhnlicher Theaterabend, dem zwei Dinge mit Sicherheit gelungen sind: einerseits ein gerne verdrängtes Thema auf unkomplizierte, aber umso eindrucksvollere Weise nahezubringen, andererseits ins Bewusstsein zu rufen, dass die Wahrscheinlichkeit, selbst davon betroffen zu werden, so gering gar nicht ist.