Albernes Stück mit Pierre Price lustlos inszeniert
Da hilft auch kein Pierre Brice: Wenn ein so albernes Stück wie „Indiskret“ auch noch lustlos inszeniert wird, wird das ein ziemlich fragwürdiger Theaterabend. Manch ein Zuschauer kam hinterher vernehmbar ins Grübeln.
Zweieinhalb Stunden Wehen, und dann doch nur ein Blinddarm – die Erwartungen an eine wenigstens unterhaltsame Komödie mit der leibhaftigen Winnetou-Legende waren wohl zu hoch. Da mag in solch dünnem Theaterteig (Charmeur täuscht ständig Ehestand vor, um nicht heiraten zu müssen, was er am Ende dann doch tut) noch so emsig gerührt werden: ohne vernünftige Zutaten und Aufbereitung bleibt er ungenießbar. Natürlich gibt es ein paar Merkmale, die man erwähnen könnte: etwa die nervig-blecherne Stimme von Angelika Auer, von der zu hoffen ist, dass ihr im Alltag eine andere zur Verfügung steht.
Oder die salopp-oberflächliche Schauspielerei von Pierre Brice, die sich bedauerlicherweise (wenn auch nachvollziehbar) an kaum einer der Textpassagen entzünden wollte.
Hannelore Kessler-Groth und Winfried Lünemann verteidigten wacker ihren überflüssigen Nebenschauplatz, der nur deshalb geschaffen wurde, um beizeiten den berühmten Liebhaber im Schrank zur Hand zu haben. Michael Tschernow bevölkerte geschäftig die Bühne, und man hätte gewünscht, dass auch sein Koffer ein bisschen Skandal gemacht hätte. Dazwischen: haufenweise Längen, ein paar Ungereimtheiten (wie kommt in einer fremden Wohnung das rechte Lied per Knopfdruck im Radio?) und die wachsende Befürchtung, es könne bei dieser theatralischen Nullnummer bleiben. Den letzten Versuch, noch ein wenig dagegenzuhalten, startete die handwerklich brave Julia Kent; hübsch und blond, wie sie ist, präsentierte sie ein blaues Kleid, das eng genug war, um zumindest ihrem männlichen Gegenüber das Atmen schwer zu machen. So bleibt wohl nur der eine Trost: dass nach dem Tiefpunkt in dieser insgesamt erfreulichen Theatersaison mit der „Amerikanischen Päpstin“ nächste Woche vermutlich der Theater-Höhepunkt zu erwarten ist. Ob dann der Saal auch ausverkauft sein wird?