Lustvoll ausgespielter Erfolg
Eigentlich ist die Story ganz einfach: Drei Frauen aus einer jeweils anderen Generation geraten wegen des selben älteren Herren – immerhin Ehemann der Ältesten – aneinander. Wenn Esther Vilar sich dann deren „Eifersucht“ (so der Name ihres neuen Stückes) annimmt, ist für gescheite Unterhaltung und ein nahezu volles Theater gesorgt.
Wenn sie sich ebenso theaterwirksam zerknüllen, gar in den Papierkorb werfen ließen, wäre diese sonderbare Korrespondenz vermutlich über zahlreiche e-mails erfolgt; so aber hat der Zeitgeist einstweilen beim Faxgerät haltgemacht, über dem sich nunmehr der feminine Gedankentransfer abspielen wird: „Weib, ich hab‘ dir deinen Mann ausgespannt-was schreibst du dazu?“ Heidelinde Weis blüht dankbar in dieser undankbaren Rolle auf, schwankt ausdrucksstark zwischen ungläubigem Schock, kämpferischen Phasen und der Weisheit, die eine verletzte, aber immer noch liebende Seele übrig lässt. Wohl ist sie als Helen die Älteste, doch hat und macht sie in jedem Augenblick eine gute Figur, der allein mit dem Altersunterschied nur schwer beizukommen ist. Und der beträgt beim Ausbruch der weiblichen Feindseligkeiten zunächst einmal 15 Jahre. Ute Willing spielt sie siegessicher aus und bemerkt dann doch zu spät, wann ihre Rolle als „verehrte Amazone, teure Rivalin und mörderische Schwester“ ausgespielt ist: In beinahe zu naivem Anderssein-Dünkel nähert sich nämlich Dörte Freundt, wiederum eine Altersklasse unter jener, Tantra-erfahren, immerzu lächelnd, figurbetont und mit Buddhismus-Kenntnissen, die wohl einem Schnellkurs entstammen. Gleichwohl: Dem bald 60-jährigen scheint’s zu gefallen, hat das aus der Sicht der beiden Verlassenen ja offenbar auch mit dem „biologischen Instinkt“ bei Männern zu tun. Dass der aber irgendwann doch den üblichen Verschleißerscheinungen und Ausdauerproblemen unterliegt, weshalb er letztlich auch wieder zu seiner Gattin zurückkehrt, führt die Vilar genussvoll vor Augen. Ihr unauffällig gestreuter Verdacht, dass freilaufende Männer über 40 entweder schwul oder neurotisch sein müssten, streift so jedenfalls auch das Verhalten ihres ungetreuen Gatten.
Aus der erwähnten Konstellation jedenfalls gewinnt sie manch provokante Einsichten zum Thema Alter, Sex und Einsamkeit, die sie mittels geistreicher Dialoge und überspitzter Formulierungen zu einem kurzweiligen Bühnenstück verarbeitet. Dabei scheint ihre Einschätzung durchaus zu schwanken, wie hilfreich wahre Eifersucht für eine lebendige Beziehung ist; dass sie im Übermaß allerdings schädlich wird, zeigt bereits die Schreibweise des Titels: EiferSucht.
Für die drei Darstellerinnen – allen voran die fein differenzierende Heidelinde Weis – jedenfalls wurde er ein lustvoll ausgespielter und ausgiebig beklatschter Erfolg.