Komödiantisches zur Homosexualität
Die Frage mag erlaubt sein, ob tatsächlich ein solcher Aufwand an Dialogen nötig ist, um jene Lebenslüge von Sir Hugo Latymer angemessen zu attackieren. Immerhin ist es dank der überzeugenden Darsteller gelungen, zumindest den zweiten Teil der Komödie von Noel Coward zu einem spannenden Unterhaltungsstück zu hieven.
Die Komödie „Duett im Zwielicht“ wurde 1964 uraufgeführt. Zu jener Zeit gehörte das Thema Homosexualität noch zu jenem Bereich gesellschaftlicher Realität, der tunlichst hinter vorgehaltener Hand besprochen wurde. Geoutete Männer riskierten Isolation, nicht selten sogar Ächtung. Heute hingegen hat man häufig den Eindruck, als sei diese Veranlagung bei mancher männlichen Berühmtheit eine zusätzliche Bestätigung ihrer Besonderheit, und kaum jemand nimmt übertriebene Notiz davon.
Ein Theaterstück, das sich dieses Themas annimmt, wirkt unter diesen Aspekten natürlich etwas verstaubt, und es wird gut sein, wenn es das zumindest mit der Komödiengattung versucht.
Ehedasein überzeugend dargestellt
Walther Reyer und Dietlindt Haug gelingt es überzeugend, das ebenso distanzierte wie distinguierte Ehedasein von Sir Hugo Latymer – ein erfolgreicher Schriftsteller – und seiner Frau Hilde – seiner ehemalige Sekretärin – vor-und darzustellen. Angesichts dessen hätte es weit weniger als der einführenden ersten Sunde bedurft, um mit dem Eintreffen seiner früheren Geliebten Carlotta (genußvoll auskostend und voller Überschwang: Johanna Liebeneiner) den Schlusseffekt vor der Pause herzustellen: Sie teilt Sir Hugo mit, dass sie im Besitz seiner frühen Liebesbriefe an seinen nun verstorbenen Freund ist.
Eine ausreichend interessante Mitteilung also, um neugierig auf den Fortgang des zweiten Teiles zu werden. Die darin aufbrechenden Konflikte zwischen Sir Hugo, seiner Frau und Carlotta gipfeln im Vorwurf der beiden Frauen, daß jener sich letztlich nur zur öffentlichen Tarnung mit Frauen umgeben habe; daß beide sehr unterschiedlich und überraschend damit umgehen, gehört zu den Stärken dieser Komödie. Sie liefert darüberhinaus genügend Material für die spielerische Qualität der Darsteller.
Gerade nach der faszinierenden Vorstellung von Tankred Dorsts „Ich, Feuerbach“ dürfte es dem „Duett im Zwielicht“ allerdings schwer fallen, eine allzu große Rolle innerhalb der erinnerungswürdigen Stücke im Stadttheater zu spielen – wenn doch, dann lag das allerdings an Walther Reyer, Johanna Liebeneiner, Dietlindt Haug und Tom Passkönig, dem sympathischen Hausdiener.