Doppelfehler (Barry Creyton)

Schlüpfrig und unterhaltsam in populärer Besetzung

Bereits zehn Minuten vor Acht leuchteten die Schilder neben den beiden teuersten Preisgruppen ein unbarmherziges „Ausverkauft“. Es ist zu vermuten, daß es weniger der oft deftigen Komödie „Doppelfehler“ zu danken war, als vielmehr der Popularität von Anita Kupsch und Volker Brandt. Ein Beitrag zum „Internationalen Frauentag“ indes war das Stück gewiß nicht.

Irgendwann in der Mitte des gut zehn Jahre alten Stückes kokettiert sein Verfasser, der Australier Barry Creyton, recht forsch mit der Qualität gewisser Komödien. „Oberflächlich, sexistisch und hirnlos“ nennt er diese Stücke; doch den Hinweis, mit diesen Attributen gleichzeitig auch Erfolgsgaranten zu haben, will er sich nicht verkneifen.

Nun, ganz so einfach gebärdete sich seine eigene Schöpfung am Samstagabend nun doch nicht – auch wenn letztlich der Eindruck bleibt, daß die bemerkenswerte Ansammlung von Schlüpfrigkeiten nur mühsam von den raren Momenten der Nachdenklichkeit beiseite geräumt werden konnten (was vermutlich auch gar nicht bezweckt war).

Und so agierten Anita Kupsch und Volker Brandt vor dem grellen Rot eines erhabenen Bühnenbildes, das Thomas Pekny themengerecht zur Wirkung brachte.

Die zufällige Wiederbegegnung nach der fünf Jahre zurückliegenden Scheidung läßt Alexandra und George alsbald in neckische Anzüglichkeiten verfallen – klar, daß der just in diesem Augenblick verklemmte Hosenladen und ihr gerissener Büstenhalter die gerne angenommene Unterstützung des ehemaligen Weggefährten heraufbeschwört.

Sein Griff an ihre Brust, der ihre an sein Gemächt rufen Lachen und hörbares Vergnügen im Publikum hervor.

Und so umrahmen denn die von Volker Brandt und Anita Kupsch spritzig ausgespielte Anzüglichkeiten den zweiten Versuch des Paares, sich auf einen gemeinsamen Weg zu machen, der – erwartungsgemäß – just die gleichen Klippen und Fallen bereit hält, die es schon beim ersten Mal haben scheitern lassen.

Immer häufiger wird das kesse Treiben durchmischt, oft gar unterbrochen von Gedanken über das Älterwerden, dem Nachlassen vordergründiger Reize und dem ungelenken, bissigen Abschied von den Vorrechten der Jugend. Da sprießen in komödiantischem Umfeld hübsche und wahre Lebenseinsichten, deutet sich die Einsicht zum eigenen Versagen an.

Und hier wird wohl auch das Abgleiten des Stückes verhindert. Volker Brandt, der anfangs lediglich zwischen breitem Grinsen und unverschämten Charme einher schaukelte, zeigt nun ein weit größeres Spektrum seines Könnens, und Anita Kupsch beweist eindrucksvoll, daß ihre Ausdruckspalette weit über ihr kabarettistisches Talent hinausgeht.

Zusammen mit den beiden populären Darstellern löste diese Komödie den Anspruch nach unbeschwerter Unterhaltung ein, der durch langen Beifall mit bemerkenswerten Verbeugungsvarianten unterstrichen wurde.