Der ideale Gatte (Oskar Wilde)

Von Sprüchen, die sich durch geringe Haltbarkeit auszeichnen

An den so gepflegten, aber trivialen Konversationsstil dieser neureichen Engländer der Jahrhundertwende muß man sich erst gewöhnen. Wenn es gelingt, kommt eine ansprechende Komödie dabei heraus.

Es war ja gerade eine der Stärken Oskar Wildes, hinter spritzigen, manchmal effektvoll-dünnen Dialogen die gelegentliche Schmalbrüstigkeit seiner Stücke zu verbergen. Dem „Idealen Gatten“, der in Lindau auf einer gräßlich-rosa Bühne daher kam, kann dabei durchaus eine gewisse Aktualität zuerkannt werden: Wo allenthalben von Kungelei und Bestechung die Rede ist, paßt ein genauer Blick auf die verdächtig weiße Weste des Staatssekretärs Chiltern ganz gut ins Bild.

Thomas Stroux, dem Äußeren unseres Landrates verdächtig ähnlich, trägt die langweilige Blasiertheit dieses Herrn gekonnt spazieren; da wirkt der vorläufige Stolz und das erstaunliche Selbstbewusstsein Christiane Hammachers als dessen Gattin beinahe so, als wäre sie eher in feministischen Kreisen als in den obligatorischen Wohltätigkeitsvereinen tätig. Eine tragende Rolle spielt Butler Mason, den Michael Tschernow so fein-ironisch und allgegenwärtig spielt, als wären alle Butler dieser Welt von ihm geschult.

Wie die Haut einer Wurst umspannt ein schaurig-häßliches Kleid die üppige Fett-Ansammlung der Lady Markby, einer nervend-plappernden Bühnenfigur, die Helga Fellerer in jeder Hinsicht ausfüllt. Dem fast zu jung wirkenden Paul Baur ist die Rolle des dandyhaften Lord Gorings anvertraut, dem Oskar Wilde die meisten derjenigen Sprüche anvertraut, die sich durch geringe Haltbarkeit auszeichnen. Ihm war vermutlich diese Erkenntnis einer der Damen zu verdanken: „Ich glaube nicht, daß der Mann entwicklungsfähig ist.“ Mit Susanne Herlet, der unterkühlt und geheimnisvoll wirkenden Lady Cheveley und Gunnar Möller, der sich als Earl von Caversham geradewegs auf die Zielgerade zum trotteligen Alten zubewegt, ergibt sich ein homogenes Ensemble, das die hübsche Petra Liederer mit Charme und Entschlossenheit abrundet.

Ein Theaterabend, der vielleicht etwas zu lang war, aber immerhin Gelegenheit bot, dem Grund über Oscar Wildes Berühmtheit nachzusinnen.