Zum Kommentar „Profillos geblieben“; LZ vom 24. September
Natürlich ist die Zeit nach der Wahl auch die Zeit der Statistik-Verwerter. Die LZ macht da keine Ausnahme – hat sie sich doch während des Wahlkampfes erfreulich informativ und ausgewogen verhalten. Nun aber, wo das Gerd Müller- und CSU-Ergebnis den journalistischen Drang nach Superlativen befriedigt, darf der Verlierer schon ‚mal mit großzügigen Ratschlägen, im Falle von Antje Esser sogar mit einer persönlichen Analyse rechnen: „seltsam profillos“ sei sie geblieben, und sie durfte lernen, „dass es nicht reicht, allein jung und Frau zu sein“.
Der Kommentator scheint zu ignorieren, dass der Anwältin mit einer erstaunlichen Berufskarriere vielleicht manches unterstellt werden kann, aber gewiss nicht Naivität oder ihre Hoffnung, etwa mit weiblichen Eigenschaften zu punkten. Gar „profillos“ zu sein, scheint zumindest in Lindau und Lindenberg anders gesehen worden zu sein: Hier hat Antje Esser – und zwar deutlich gegen den Bayerntrend – 32,2 bzw. 34,1 Prozent geholt. Wenn man schon Zahlen bemüht, dann müsste sich hier wohl der Gegenkandidat fragen lassen, weshalb er hier nicht zum allseits bejubelten Bayern-Ergebnis aufschließen konnte. Die SPD machts sich durchaus ihre Gedanken, wie der Wahlkreis gerade in den kleineren Orten künftig erfolgreicher „beackert“ werden kann. Doch dann darf die CSU ja auch rätseln, weshalb ihr das in den größeren nicht so eindrucksvoll gelingt.
Im Übrigen macht es wenig Sinn, ausgerechnet Landrat Eduard Leifert als Vorbild zu bemühen: gerade er ist von der fachlichen und persönlichen Qualifikation Antje Essers am meisten beeindruckt und überzeugt – eine Beurteilung, die er bekanntermaßen nicht so ohne Weiteres von sich gibt. „Profillos geblieben“ ist sie schließlich auch nicht beim Bürgermeister von Chelles; der sich gleich am Tag nach der Wahl persönlich bei Antje Esser gemeldet und ihr Mut für den weiteren Weg zugesprochen hat.