New Jazz Quartett

Es waren in der Tat besondere Klänge, die das „New Jazz Quartett“ diesmal im gut besuchten Zeughaus entstehen ließ: auskomponierter Kammermusik-Jazz, dem sich die Musiker um Mahdi Milla subtil und mit spielerischer Überlegenheit widmeten.

Das lockere Geplänkel zwischen den „Frontmännern“ von Jazzclub, Zeughaus und New Jazz Quartett zu Beginn sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich da sehr bald ein musikalisches Miteinander formieren sollte, das alle Konzentration seitens der Zuhörer und der Akteure erforderte.  Denn was sich das unter der Ankündigung „ausschließlich Eigenkompositionen“ verbarg, entsprach exakt dem, was sich gleichzeitig unter den Begriffen „zeitgenössisch, subtil dynamisch und kraftvoll“ im Plakat – und zumindest teilweise auch in den Notenblättern niederschlug. 

Da setzte etwa „Soulgraffiti 2“ zunächst mit Bass (Stephan Reinthaler) und E-Piano (Ingvo Clauder) zu einer geheimnisvoll, fast verhalten wirkenden Ballade an, ehe Mahdi Milla mit einem langen, kraftvoll drängenden Solo zu einer herrlichen Ballade überleitete, aus der sich vor allem zwischen Ingvo Clauder und dem fantastischen Bernhard Klas an Saxophon und Klarinette ein ebenso spannender wie inniger Dialog ergab. Mehr als eine Viertelstunde dauerte dieser Ausflug, und man merkte es den Musikern an, wie wohl sie sich in ihrem blind aufeinander abgestimmten Spiel fühlten. 

Ganz anders – dafür fast wie im richtigen Leben – ging es bei „Die Parlamentarier“ zu: schroff und wirr, laut und wie bei einer Herde von Alphatieren, spiegelte diese Musik den Alltag im Parlament nach, wo nur hin und wieder das Gefühl aufkommt, dass sich die Ausübenden tatsächlich auch zuhören. Ein musikalischer Scherz, der gleichwohl vor einer komplexen musikalischen Struktur stattfand. 

Im Gegenzug nahmen sich die „Tagträume in den Fingerspitzen“ wie eine schöpferische Pause aus: ein verhalten, gleichwohl spielerisch wirkendes Kleinod, das einen unverstellten Blick auf den feinfühligen Umgang der Musiker mit ihren Instrumenten freigab, an dem das Publikum entspannt teilnehmen durfte. Auch „Gefrorene Träne“ lag auf dieser „Welle“, und in ihrer Intimität und Verlorenheit blitzte tatsächlich eine Erinnerung an das gleichnamige Lied der „Winterreise“ auf.

Das „New Jazz Quartett“ hat den Zuhörern einen schönen und nachwirkenden Jazzabend geboten, dessen abschließende Zugabe diese Stimmung noch einmal wie in einem kompakten Extrakt zusammenfasste.