Gute Laune bei Bier, Blues und Busen

Das künstlerische Angebot während der langen Nacht der «Isle Of Music» hat ein Lindauer «Kulturproblem» auf die Spitze getrieben, das an diesem Abend aber jede Menge Sympathisanten gefunden hat: sich unter einer herrlichen Vielzahl musikalischer Leckerbissen entscheiden zu müssen. Von fünf zufällig ausgewählten sei hier die Rede.

So leicht war das gar nicht, sich beispielsweise in der voll besetzten «Fischerin» über das nächste Ziel klar zu werden. Dort hat diesmal der Lindauer «Haus-Percussionist» Mahdi Milla gewissermaßen einen Saiten-Sprung gemacht und ausnahmsweise zwei Gitarristen um sich geschart. Mit denen fand er sich im Ziel einig, den Jazz gegenüber der Vorherrschaft anderer Musikdisziplinen dieser Nacht hochzuhalten. Das ist ihm gewiss gelungen, auch wenn sich der gewohnte  – und auch erwartete! – Drang seiner Mitspieler zur Improvisation diesmal in Grenzen hielt. 

Soviel Selbstdisziplin hat im «Patio» selbstverständlich niemand erwartet, denn dort agierten die Mannen um Jupp Zeltinger mit Spielwitz und Improvisationslust; wieviel Spaß der Meister selbst hatte, war nicht zuletzt am Einsatz der Mundharmonika des ansonsten für Vibraphon und Bass zuständigen Musikers  abzulesen: denn nicht jeder seiner Auftritte wird mit der neugefundenen instrumentalen «Liebe» des – Verzeihung! – Altjazzers geadelt.

Der ein wenig aus den Fugen geratene Drang zum Bierkonsum, der sich leider und ganz buchstäblich auch auf dem nächtlichen Pflaster niederschlug, war Begleiter zur dritten Station, dem «Cappuccino».  Dort zeigten «Gerry’s Blues Cats» aus dem benachbarten Ländle, dass ordentlicher Blues keine Grenzen kennt und auch ein Lokal, das sonst den Musen schöner Kaffestunden frönt, in eine stimmungsvolle Musikkneipe verwandelt werden kann. 

Eine kaum überschaubare Menge nutzte – die meisten wohl zum erstenmal – den so unversehens offenstehenden Weg ins Rotlicht-Milieu des «Cabaret Monte Christo». Wo sonst hübsche Tänzerinnen ihre Hüllen fallen lassen, war es diesmal Aufgabe von «Back 2 Zero», die Herzen der Gäste wenn schon nicht höher, dann wenigstens heftiger schlagen zu lassen. Doch die Band um die Power-Rock-Röhre von Rüdiger Göhl hatte keine Mühe, den üblichen optischen Reizen an dieser Stelle ein Höchstmaß an akustischen entgegenzusetzen. «Kein Eintritt unter 18 Jahren» ließ trotzdem ein wenig Hoffnung auf das aufkeimen, was diese Umgebung sonst auszeichnet, und die erfüllte dann auch eine Tänzerin mit einem Strip, der zumindest Auskunft über ihren hübschen Busen gab. 

«Die Komplizen» in der mächtig gefüllten «Filou Cocktaillounge» aber sorgten dann als hochmusikalische Zwei-Personen-Band dafür, dass die zweite Ausgabe der «Isle of Music» erneut eine so üppige Auswahl bot, dass man die damit verbundene Qual der Wahl gerne in Kauf nimmt.