Obwohl es ein „Kraftakt für die Winzerbetriebe“ war, ist sich Margret Schmidt auf ihrem Hattnauer Weingut sicher, dass die Weinkultur am Bayerischen Bodensee einen kräftigen Auftrieb bekommen hat. Zehn Winzer haben mit dem Festival „Komm und See!“ eine anspruchsvolle Veranstaltung zusammengestellt, und damit wohl manchen Weinkenner hinzugewonnen.
Man muss sich dessen bewußt sein: viele dieser Winzer sind Kleinst- und Familienbetriebe, die ihre Arbeit und Verantwortung für ihre Weingüter meist noch mit dem Vermieten von Ferienwohnungen oder anderen Tätigkeiten teilen. Umso eindrucksvoller stellt sich das Ergebnis der beiden „Tage der offenen Weingüter“ vom vergangenen Wochenende dar, das alle Hoffnungen und Erwartungen der zehn bayerischen Bodenseewinzer übertroffen hat. Die Absicht, mit einer gemeinsamen Anstrengung auf die besondere Qualität der hiesigen Weine aufmerksam zu machen, ist nach Auffassung aller Beteiligten voll aufgegangen. Erfreut wurde auch registriert, wie viele Menschen aus dem Umland von dieser „konzentrierten Aktion“ erfahren hatten und die oft alle zehn Winzerbetriebe besucht hatten. Immer wieder schwärmten dabei die Besucher von der Vielfalt des Beiprogrammes und der liebevollen Vorbereitung, die allen zehn Weingütern anzumerken war.
So durften sich Hannes und Sonja Deufel bereits am Samstagabend über einen wahren Ansturm freuen, weil es dort außer den bekannten Weinen und leckeren Vorspeisen auch die Vorführung des legendären Woodstock-Festivals auf Großleinwand gab. Mit einer besonderen Attraktion wartete auch Familie Gierer am Sonnenbichl in Nonnenhorn auf: dort hatten nicht nur diejenigen viel zu tun, die Wein und das außergewöhnlich wohl schmeckende „Bacchusrahmsüppchen“ ausschenkten; umlagert war besonders auch der kleine „Wellness-Park“, wo ohne Unterlass die Angebote von Treber-Fußbädern, Nackenwickeln und Massagen angenommen wurden. Die Führungen in den Weinberg und die aufschlussreichen Erklärungen vom langen Weg der dortigen Trauben bis in den Schlund einer Weinflasche fanden dabei an beiden Tagen ein grosses Publikum. Beim Weingut Marte kamen sowohl die Erwachsenen als auch begeisterte Kinder auf ihre Kosten – Ponys und Ziegen erfreuten sich ständiger Aufmerksamkeit und Inanspruchnahme. Überaus stilvoll ging es dann im Rebhof Schaugg/Höscheler zu, wo im Ambiente filigraner Glaskunst und im fantasievollen Sinnesgarten angeregte Gespräche entstanden. Im großen Garten Roland Hornsteins stand neben dem Wein auch vieles im Mittelpunkt, was den Fisch anbelangt; beinahe intim gab sich – trotz großartigen Besuches – dann der Garten von Wendelin Hornstein, wo Drehorgelmusik für nostalgische Unterhaltung sorgte. Volles Haus konnte auch die Winzergemeinschaft Fürst melden, für das nicht zuletzt die farbenfrohen Flamencotänze und die spanische Verköstigung mitverantwortlich waren. Gelegenheit zur Torggel-Besichtigung bot schließlich das Weingut Peter Hornstein an, das an beiden Tagen auch für musikalische Stimmung sorgte.
Wie gut der Shuttle-Verkehr der beiden Autohäuser Wölfle und Bernhard funktionierte, zeigten nicht zuletzt die Fahrten zum Weingut Schmidt in Hattnau und zu Ludwig Haug im Kellereiweg und seinem – immerhin – zweithöchsten Weinberg Deutschlands: nahezu ohne Wartezeit konnten beide Wege angetreten werden, um beim einen die schöne neue Vinothek und das herrlich hergerichtete Anwesen zu bewundern und beim anderen eine Kostprobe seines hauseigenen Sektes und seiner neuesten Rotwein-Kreation zu geniessen. Beste Stimmung auch dort – beide schwärmten von den vielen neuen Kontakten und der Möglichkeit, den „Weinbauverein Bayerischer Bodensee“ so unmittelbar präsentieren zu können.
Zehn Winzer haben mit einer überzeugenden Darstellung und mit offensichtlich großartigem Organisationstalent für die Darstellung heimischer Güter gesorgt. Statt eines Events, für den Wein nur als Vorwand dient, haben sie ein echtes „Weinfest“ geschaffen und damit für Stadt und Umland auf kultivierte Weise geworben.