Ein Blick hinter die Kulissen

LINDAU – Der ganze große Andrang war es diesmal noch nicht, doch wenn sich die hochmotivierte Mannschaft des Stadttheaters weiterhin so professionell präsentiert, könnte ein regelmäßiger „Tag der offenen Tür“ zu einem kulturellen Schmankerl der Stadt avancieren.

Zu Beginn war noch nicht klar, ob sich das Regen nun als gut oder schlecht für das umfangreiche und abwechslungsreiche Programm erweisen würde. Diejenigen aber, die bereits um 10 Uhr das Theater aufsuchten, wurden bereits mit der ersten Überraschung konfrontiert: Das Theater- und Konzertprogramm für die neue Saison lag aus, neu gestaltet und mit einigen Stücken versehen, an denen auch Theatermuffel ihre Freude haben dürften (etwa von Martin Walser „Die Zimmerschlacht“ am 19. Oktober oder Franz Wittenbrinks „Sekretärinnen“ am 11. November). Seine Schauspielerfahrung, aber auch seine historischen Kenntnisse hat Theatermeister Christian Bandte diesmal in ein 20-minütiges Video einfließen lassen, das er mit seinen Kollegen extra für diesen Tag erstellt hat; so konnten die Besucher bereits im Eingangsbereich intime Kenntnisse über die Technik und das oft vergessene Drumherum erlangen.

Darüberhinaus haben seine drei persönlichen Führungen manchen Bühnenzauber hergestellt, aber auch Einblick in die handwerklichen Voraussetzungen hierfür geschaffen. Für Abwechslung bei den Kindern hat zunächst ein Zauberer gesorgt. Genauso bei der Sache waren die aber dann beim Theaterworkshop, den „Podium 84“ im ersten Stock ausgerichtet hat. Mit aufwändiger Maske, Kostümen vom erfolgreichen „Dschungelbuch“ und einer hübschen Choreographie präsentierten sie dann ein paar Stunden später ihr Ergebnis auf der Bühne, das vom Publikum natürlich begeistert gefeiert wurde.

Groß war das Interesse auch an den Ausführungen, die Stadtarchivar Heiner Stauder über die wechselvolle Geschichte dieses Hauses gab, welche ja bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Vom Kloster zur Kirche, von der Stadtbibliothek bis zum Feuerwehrgerätehaus diente es in früheren Jahrhunderten, ehe es 1887 zum Theater wurde. Erst nach weiteren Eingriffen, Abrissen und Umbauten hat es dann zusammen mit dem Konzertsaal die heutige Form und Funktion erhalten.

Gut besucht war auch die dreistündige Probe für die Premiere des Marionettentheaters: am 3. August gibt es erstenmals in Lindau Bizets berühmteste Oper „Carmen“. Viele haben erst jetzt eine Ahnung davon, wie viel Arbeit notwendig ist, um die zahlreichen Figuren und Kostüme zu erstellen. Mit einem liebevoll gestalteten Bühnenbild und entsprechender Beleuchtung schaffen sie erst die Voraussetzungen, um auch dieses aufwändig inszenierte Stück zu einem weiteren Aushängeschild des Lindauer Marionettentheaters werden zu lassen.

Selbstverständlich dient ein solcher Tag der offenen Tür vor allem dazu, Werbung für das Theater zu machen. Mit Umfragezetteln, aber auch einem Quiz wurde man aufgefordert, Programm und Theater genauer anzusehen. Tatsächlich haben auch die meisten Besucher daran teilgenommen, so dass die Preisverleihung um 18 Uhr nicht nur viele glückliche Gewinner ergab, sondern auch zeigte, dass fast drei Viertel der gar nicht so leichten Fragebogen richtig beantwortet wurden. Während der ganzen Zeit hat sich das komplette Theaterpersonal liebevoll um das leibliche Wohl der Gäste gekümmert. Am Ende des offiziellen Programmes saßen dann Gäste und Verantwortliche im Hof, um den anstrengenden, aber erfolgreichen Tag bei Livemusik und gutem Essen ausklingen zu lassen. Zurecht hat Oberbürgermeisterin Petra Seidl der „innovativen Mannschaft“, die diesmal besonders von Anke Schenk angeführt wurde, gedankt und darin auch Kulturamtsleiterin Angela Heilmann für ihre Motivation eingeschlossen.