„Die Kirche als ein Ort der Einkehr“

LINDAU – Wenn auch „Pfarrer kommen und gehen“, so bedeute die Verabschiedung Erich Puchtas in den Ruhestand dennoch eine „handfeste Zäsur“, begrüßte Winfried J. Hamann die zahlreich erschienenen Besucher des letzten gemeinsamen Gottesdienstes mit Pfarrer Puchta. Die Tatsache, dass die Trennung schwer fiel, zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst und den anschließenden Empfang im Gemeindeheim.

Von unserer Mitarbeiterin Benedikta Rothstein

„Mein erstes Erlebnis in St. Stephan war, wie eine Frau in die Kirche kam, um ein kleines Kind zu wickeln“, erzählte Pfarrer Puchta zu Beginn seiner Predigt. Am gleichen Tag entdeckte Puchta einen Wanderer im Kirchenraum, der seine Brotzeit einnahm, wenig später eine Obdachlose, die hier ihre Nacht verbracht hatte. Was andernorts vielleicht als Sakrileg empfunden worden wäre – für Puchta wurde es zum Sinnbild: „So stelle ich mir Kirche vor. Als einen Ort der Einkehr, an dem man sich zu Hause fühlt“, unterstrich er.

Zehn Jahre später wurde es nun für ihn Zeit, wie die Jünger bei der „ersten Brotvermehrung“, die „Brocken“ einzusammeln. Also zusammenzutragen, was nach einem Jahrzehnt des „gemeinsamen Weges“ das Gemeindeleben nachhaltig geprägt hatte. Verkündigung müsse ohne fromme Schnörkel geschehen, situationsbezogen aus dem Alltag heraus, befand Puchta. „Das rechte Wort im richtigen Augenblick“ zu finden – dies war Puchta vor allem als Hausseelsorger der Altenheime gelungen, schilderte Peter Borell für die Hospitalstiftung. Puchta habe sich unermüdlich für die Bewohner des Hospitals eingesetzt. Dass die Begegnung mit den körperlich „gebrechlichen und manchmal auch seelisch gebrochenen“, alten Menschen auch Puchta „sehr zu Herzen“ ging, gab der Pfarrer unumwunden zu. Umso mehr habe er die Pflegekräfte bewundert. „Der Diakonische Dienst ist vielleicht die überzeugendste christliche Botschaft in der Welt“, bilanzierte Puchta. Um geben zu können, sollten die Gemeindeglieder aber auch sich Auszeiten in Form von Stille und Meditation gönnen.

Dass Ehrfurcht und Achtung vor der religiösen Überzeugung des anderen die Beziehung zur benachbarten katholischen Gemeinde prägte, bestätigte Dekan Ortwin Gebauer: „Aus der räumlichen Nachbarschaft ist eine enge Freundschaft geworden“, schilderte er und überreichte seinem „Amtskollegen“ Lesestoff und ein Modell der Peterskirche aus Schokolade.

Wie sehr die Kirchengemeinde Puchtas feinen Humor und seine einfühlsame Art, mit Sprache umzugehen, schätzte, betonte Kirchenvorsteherin Sabine Kaiser. Ihr besonderer Dank galt jedoch auch Puchtas Frau Friederike, die als ausgebildete Theologin das Gemeindeleben auf ihre Weise bereichert habe. Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus würdigte Oberbürgermeisterin Petra Seidl die Verdienste Puchtas mit dem Lindauer Schautaler in Silber. Puchta sei es gelungen, gemeinsam mit anderen Wege zu suchen, Grenzen zu überwinden und Brücken zu bauen, so Seidl. Dass dies Puchta nicht nur im politischen Sinne, sondern auch in der Ökumene und in der Mitarbeit in den Friedenräumen gelungen war, bestätigten zahlreiche weitere Redner.