LINDAU – Eine Menge Spaß hatten Darsteller und Publikum beim Forschungsprojekt „www.pc-weg.de“. In diesem selbst gemachten Stück verwandelten die Aktuere die Vorlagen von Internet und „big brother“ in kabarettistische Pointen.
Gleich drei Klammeraffen hatte die Firma „B@n@n@ Computer“ aufgeboten, um neun Teilnehmer ein halbes Jahr lang ebenfalls zum Affen zu machen: als Wohngemeinschaft zusammengepfercht wurden sie wehrlos dem ausgesetzt, was Publikum und Internet im Angebot halten.
Zur Belohnung gab’s dann eine Menge Kohle, mit der versucht werden wird, das entstandene Loch im Verstand wieder aufzufüllen. Begleitet hatte die Friedrichshafener Theatergruppe „theater-ausverkauft“ diese Container-Situation mit herzerfrischenden Attacken auf Internet-Begriffe, die sie witzig und immer wieder überraschend persiflierte.
Da nahm schon mal ein Hund seine eigentliche Aufgabe wahr und fungierte als „Suchmaschine“, die „on Line“ über die Bühne geführt wurde; auch dafür, daß ein „Browser“ letztlich von der Dusche hergeleitet wird, lieferten die lustvoll auftrumpfenden Akteure den Nachweis. Auch wenn im Zuge einer solchen Besprechung ein paar derselben in der Zwischenablage verharren müssen, so sollen einige trotzdem im Textmenü erscheinen.
Yvonne Denzler etwa, die so umwerfend komisch und fassungslos naiv die Schwaben-Almut gab, dass jeder Sender ihr dafür eigentlich eine Extra-Prämie zukommen lassen müsste. Daß ein „Joystick“ in der Hand delikatere Assoziationen zuläßt als den Krieg gegen Moorhühner, traute man denn auch eher der Phantasie von Marlene (Claudia Marschall) oder Hannelore (Bea Remark) zu, die den coolen Container-Jargon mühelos beherrschten.
Oder Michael Hangel, der als Egon seine familiäre Zirkuserinnerung so verstört und zwanghaft zelebrierte, dass man sich den Anlass seines Traumas gar nicht schlimm genug vorstellen kann. So, wie Jürgen Engstler das gemacht hat, darf man sich wohl eine klassische Computer-Mensch-Liaison vorstellen, und dass Wolfgang Dillmann als Joe den Begrif „Macho“ vielleicht nicht schreiben, aber umso besser spielen kann, hat dieser glaubhaft umgesetzt.
Groß war das Vergnügen dann, als zunächst zwei, schließlich mehrere Unterhosen den Erwartungen des Voyeurismus nachkamen und darüber schier vergessen ließen, wie hübsch die Choreographie dazu war. Eine hervorragende Licht- und Tonregie wachte dabei sorgsam über das aktuelle Geschehen, das flott und kurzweilig daherkam.
Dafür sorgten auch diverse Tanz-, Gesangs- und Rap-Einlagen, die der versammelten schauspielerischen Potenz gut genutzte Betätigungsfelder eröffnete und beim femininen Janis-Joplin-Verschnitt zu wahren Beifallstürmen führte. Wenn soviel Geld im Spiel ist, läßt man schon ‚mal eine Leiche im Keller verschwinden, und so hat das „theater-ausverkauft“ bereits fröhlich darauf hingewiesen, dass übers Internet und Container-Spiele auch Grenzen überschritten werden, die sich nicht nur auf den Geschmack beziehen.
Eine engagierte, dramaturgisch gut ausgelotete Theaterstunde, die frech, gelegentlich scharfsinnig am weltumspannenden Netz zerrte und dabei geschickt seine Maschen mit Containererfahrungen verband.