LINDAU – Wieder einmal erwies sich das Zeughaus als erstklassige Spielstätte für einen Abend abseits vertrauter Hörgewohnheiten: Der Zither-Manä spürte am Samstagabend mit Zither und urbayerischen Wortbeiträgen den Gemeinsamkeiten von Blues und Ländler nach.
Wenn einer mit der Zither in Bayern auftaucht, um sie vom braven Ländler-Image zu befreien, gleichzeitig aber auch als ebenso kritischer wie heimatverbundener Zeitgenosse wahrgenommen werden will, dann kann es sich nur um einen Auftritt des Zither-Manä handeln. Seit 27 Jahren zieht er neben seinen Saiten auch manchen Politiker auf und versäumt dabei nicht, reichen Gebrauch von seinem bayerischen Dialekt zu machen.
Im Mittelpunkt steht freilich seine Spezialität: sich die Volksmusik aller Südstaaten, der amerikanischen sowieso, aber insbesondere der deutschen – nämlich die bayerische Volksmusik – zur Brust zu nehmen und sie aufs Köstlichste miteinanderzu verbinden. Denn was sechs Gitarrensaiten recht ist, kann für über 30 Zithersaiten kein Problem sein. Und so rockt und bluest es von der Bühne, dass es eine wahre Pracht ist, und immer hat man das Gefühl, als lächelten sich alle lebenden und längst verstorbenen Blues- und Volksmusiklegenden ob solcher Klänge stolz und schelmisch zu.
Klar, dass das in beträchtlicher Zahl erschienene Publikum seinen besonderen Spaß an jenen Stücken hatte, die der Zither-Manä aus der englischsprachigen Musikszene übernahm – wann je hat man Arlo Guthrie, Sonny Boy Williams oder Chuck Berry so frech, verfremdet und doch eigentlich authentisch vernommen wie in dieser Zither-Lesart? Es hatte durchaus Substanz, wie das „Urgestein des bayerischen Zither-Rocks“ die Volksmusik der Schwarzen Amerikas und jene der „Schwarzen“ aus Bayern aufzupäppeln wusste. Hin und wieder brachte er zwar ein paar biographische Angaben durcheinander, als er etwa den „Götz“ Goethe zuschreiben wollte oder das herrliche Gitarrensolo aus „Cry to me“ von den Rolling Stones Mick Taylor statt dem seligen Brian Jones, doch das waren verzeihbare Nachlässigkeiten, die dem spielerischen Anteil keinen Abbruch taten.
Wie groß diese spielerischen Möglichkeiten des Zither-Manä sind, ließ sich gut in Ausflügen zum klassischen Repertoire beobachten, als er etwa die Bearbeitungen einer Gitarrenkomposition von Francisco Tärrega, von Mozarts Andante aus dem berühmten C-Dur-Klavierkonzert oder einem Ausschnitt aus Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ vortrug: Das war hochvirtuos und witzig, insbesondere, als er letztere mit „Smoke on the Water“ verband.
Einblick in die bayerische Seele
Durchmischt wurde das Ganze mit wohldosierten Wortbeiträgen, die einen tiefen Einblick in die bayerische Seele, ebenso den Hintersinn von Marterln und Gstanzerln, aber auch in die persönliche Haltung des Zither-Manä gewährten. Er vergaß auch nicht, an manches Beispiel für Zivilcourage zu erinnern, auch wenn er den Betroffenen vielleicht allzu oft ein Lied nachreichte, das er ihnen auch gleich widmete. Ihr Fett bekam schließlich noch die gegenwärtige amerikanische, aber auch die bayerische „Administration“ weg, weil Profis wie er wissen, dass so etwas immer ankommt und auf Beifall zählen kann. Davon gab es insbesondere am Schluss jede Menge, so dass mehrere Zugaben erklatscht wurden. Solch ein Abend, das weiß der Zither-Manä selbstverständlich, darf jedoch ohne den definitiven Klassiker für dieses Instrument nicht enden: Es erklang das legendäre „Harry Lime Thema“ aus dem „Dritten. Mann“, dem es Vorbehalten war, eine weitere Besonderheit des Zeughausprogrammes abzuschließen.