LINDAU – Erneut hat das Zeughaus mit einem Programm aufgewartet, das die Reihen füllte und dem Publikum eine ganze Menge bot: Das Improvisationstheater,,Improshnikov“ verwandelte die Begriffe haarsträubend, witzig und fantasievoll in einen herrlichen Bühnenabend.
Frech und gnadenlos ist der Charme, mit dem Uli Boettcher sein Publikum durch sein – nicht festgelegtes! – Programm führt, und ebenso unerbittlich wirft dieses ihm hanebüchene Begriffe hin, aus dem seine vier Mitstreiter dann ihre Geschichten oder Lieder basteln sollen.
Schon mal auf Hornissen und die Hauptstadt von Madagaskar – Antananarivo – ein Märchenballett getanzt? Oder den Grand-Prix-Gewinner aus der Mongolei gehört, der sogar die hinreißende Teilnehmerin aus Island vom Siegertreppchen verdrängte? Auch nichts von einem „schleunigst zu beseitigenden Missstand“ – sagen wir mal: dem Geburtenrückgang, dessen Lösung aber möglichst sprachlichen Vorgaben zu gehorchen hat (Satz Eins muss mit A beginnen, Satz Zwei mit B und so weiter…)?
All dies und noch viel mehr war im Zeughaus mit so viel Witz und Spaß zu erleben, dass man selten ein Publikum gesehen hat, das bereits in der Pause so vergnügt und inspiriert war.
„Das haben wir noch nie geübt“
Es war natürlich eine falsche Fährte, auf die der begnadete Kabarettist und Akkordeonspieler Suso Engelhardt das Publikum eingangs geführt hat, als er ein holpriges Medley auf Lindau zusammenschustern wollte; kein Reim wollte so recht passen, keine Melodie sich mit dem Bodensee verbinden, und als „Vorderösterreicher“ wollen die Lindauer schon gar nicht bezeichnen werden.
„Wenn es nichts wird“, so der verschämte Kommentar, „dann liegt es daran, weil wir es noch nie geübt haben.“ Dies traf natürlich nur auf die unerwarteten Stichworte seitens des Publikums zu, nicht aber auf die unerhörte Schlagfertigkeit und Konzentrationsfähigkeit, mit der die Theatergruppe damit zu jonglieren wusste, um abenteuerlichste, immer wieder auch geistreiche Spielszenen abzuleiten. Ein Erlebnis auch, wie Uli Boettcher den Moderationsfaden in der Hand behielt, dabei einzelne Besucher in gewitzte Dialoge verwickelte und es noch schaffte, gleich mehrere „Running Gags“ über den Abend zu bringen.
So war es dem tobenden Publikum am Schluss nur schwer zu vermitteln, dass jeder Spaß einmal ein Ende hat. Dies aber wurde nochmals durch eine packende Zugabe – bayerisch serviert – für ein paar köstliche Minuten hinausgezögert.