LINDAU – Spukte da vielleicht noch das musikalische Highlight der vergangenen Woche im Kopf? Jedenfalls hatte es der Kabarett-Abend mit „Mamma Grappa“ deutlich schwerer, einen so unmittelbaren Widerhall beim Publikum zu finden, wie das ein paar Tage zuvor „Quadro Nuevo“ gelungen ist.
Gewiss, die drei Damen, die sich „Mamma Grappa“ nennen, veranstalteten einen amüsanten Reigen verschiedener Spielszenen. Und erfahrungsgemäß klappte das immer dann am besten, wenn sich ihr beachtlicher schauspielerischer und mimischer Einsatz an all den Objekten entzündete, über die man immer schon gerne gelacht hat: an den Männern, die „echt nicht abendfüllend“ sind, an Menschen, die im Schönheitssalon die letzte Rettung sehen und an alten Frauen, über die sich ja offenbar besonders leicht spotten lässt – selbst wenn die sich für ihren Tratsch vor dem Grab eines ihrer Verblichenen versammelt haben: Jene Sorte von Kabarett eben, die immer dann am besten funktioniert, wenn sie auf Kosten anderer geht.
In diese Richtung zielte auch „Maria, die Mutter Gottes beim Casting“ – lustig zu erzählen, lustig zu spielen, aber doch ziemlich fragwürdig, weil man selbst in unserer Gegend schon mit weit Gewichtigerem konfrontiert war, wenn das Etikett „Kabarett“ drauf stand.
Auch wenn von allem etwas da war – von Tanz, Verkleidung, Gesang, Wortwitz und Entertainment: Irgendwie war es von allem ein bisschen zu wenig, und letztlich mag es daran gelegen haben, dass über dem Ganzen der Schleier des Bemühten und allzu Berechenbaren lag. Und daran konnten bis zur Pause selbst solche kleinen Highlights wie das „Zickentraining“ oder die Loriot-Leihgabe „Fritz Schmitz in der Video-Partnervermittlung“ nicht viel ändern.
Auf das Wagnis, ob dies nach der Pause vielleicht doch noch funktioniert hat, wollte sich der Rezensent dieser Zeilen allerdings nicht mehr einlassen.