Die Witwen (Ludwig Thoma)

Wieder mal ein Hirschgeweih an der Wand und nicht am Mädchenrücken

Prominent besetzt, flott inszeniert und außerdem gut besucht: Ludwig Thomas Lustspiel „Die Witwen“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass bayerische Stücke einen erstaunlichen Unterhaltungswert entwickeln, wenn die Vorlage stimmt und Dialekt und Personenführung nicht deftiger Übertreibung geopfert werden.

Wie schön, ein Hirschgeweih wieder einmal oben an einer Zimmerwand statt unten an einem Mädchenrücken zu sehen: Monika Maria Cleres hat das Bühnenbild geschickt eingerichtet, um dem gängigen Mobiliar des Jahres 1900 und den Anforderungen dieses Stückes Rechnung zu tragen. Denn anders als acht Tage zuvor, handelt es sich diesmal tatsächlich um ein turbulentes Stück, bei dem es ratsam war, die Wege für die Auf- und Abgänge sinnvoll anzulegen, um das angemessen hohe Tempo nicht unnötig zu drosseln.

„Die Witwen“, ein Frühwerk von Ludwig Thoma, kombiniert den kritischen Blick auf die damalige Gesellschaft geschickt mit den Erwartungen an eine erfrischende Verwechslungskomödie. Denn während der ledige Anwalt Dr. Stein zunächst alle Kräfte darauf verwenden muss, der Dreifach-Front standzuhalten, die seine Haushälterin (souverän gespielt von Sarah Camp), ein Heiratsvermittler und ein alter Studienfreund aufgerichtet haben, um ihn möglichst bald an eine Witwe zu verkuppeln, lässt uns der Dichter nebenbei auch etwas über das damalige München erfahren. So tröstet er uns Nachgeborene mit der Beobachtung, dass schon damals die Straßen wegen Bauarbeiten elf Monate gesperrt waren, und er plädiert für die Frau zwischen 30 und 40, „weil die noch nicht zu gescheit ist“ und „der Mann ohnehin nur bei einer reiferen Frau das Paradies findet“.

Dass in diesem Lustspiel gleich drei solcher heiratswilliger Kandidatinnen auftauchen, von denen eine den Kanzleischreiber Singer (ganz hervorragend und mit vorgeschrieben hessischem Dialekt: Michael Boettge) für den vermeintlichen Ehekandidaten hält, macht die Story höchst amüsant.

Mit Susanne Brantl und Isabella Leicht hat Regisseur Peter Bernhardt zwei hübsche und gekonnt auftrumpfende Schauspielerinnen aufs Kandidatenkarussell geschickt, die es Stefan Reck als Umworbenem eigentlich nicht schwer machen sollten, sich zu entscheiden. Dies umso mehr, als sich Michaela Stögbauer als Dritte im Witwenbunde mit ihrem lustvollem Spiel als Bauerntrampel von selbst disqualifiziert.

Heiratsvermittler im Einsatz

Vielleicht aber dauert die Entscheidung auch, weil ihn die ständigen Interventionen des Heiratsvermittlers Johann Baptist Weber zu sehr nerven, der in Norbert Heckner ein wahres Vorzeigemodell seines Standes findet. Mehr noch tun indes die Auftritte des wahrlich oberbayerischen Hofbauers, den Markus Völlenklee so hinreißend, derb und authentisch spielt, dass er dafür immer wieder Szenenapplaus erntet. Als spielerisches Schmankerl erweist sich dabei sein Versuch, das kernige Buchenscheit, welches den Kopf eines Gegners getroffen hat, juristisch doch bitte in ein „winziges Steckerl“ verwandeln zu lassen.

„Die Witwen“ haben für das Komödien- und Lustspiel-Genre dieser Saison eine ermutigende Vorlage geliefert, an der sich die nächsten Aufführungen hoffentlich messen lassen.