Überraschung! Überraschung! (Sandrine Martin)

Begeisterung fürs Theater wird so nicht geweckt

Auch mit dem zweiten Stück, der Komödie „Überraschung, Überraschung!“ ist dem diesjährigen Spielplan noch kein überzeugender Einstieg gelungen. Trotz einiger heiterer Momente bescherte das harmlose Thema nur dünne Theaterkost.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Sechs Personen verstecken sich im Badezimmer eines Freundes, der Geburtstag hat, um ihn mit diesem Besuch zu überraschen. Bereits hier fällt der bezeichnende Satz eines Teilnehmers, der leider für das ganze Stück gelten könnte: „Ist dir nichts Alberneres eingefallen?“ Plötzlich fällt die Tür ins Schloss, und alle sitzen für längere Zeit fest, weil das Geburtstagskind erst später kommen wird. Ergo: die drei Frauen und drei Männer gehen sich für die kommenden Stunden auf die Nerven und gelegentlich an die Wäsche. Zur Halbzeit stehen schließlich alle in Unterwäsche da, doch einige Zuschauer wollten schon jetzt nicht mehr wissen, ob sich das möglicherweise noch fortsetzt. Ihnen zur Information: Weitere Hüllen fielen nicht mehr, ebenso nicht das Niveau, das sich aber ohnehin bereits in den tieferen Regionen eingenistet hatte. Die Hoffnung, dass sich die Story wenigstens durch eine gelungene Schlusspointe in einen Theaterabend verwandeln könne, an den man zumindest amüsiert zurückdenkt, zerstäubte ebenso. So konnte auch der zweite Satz, der nach dem Einrasten der Badezimmertür fiel und hier zitiert werden soll, durchaus als Warnung ans Publikum verstanden werden: „Es sieht so aus, als ob wir es eine Weile miteinander aushalten müssten.“

Wieder einmal hat sich gezeigt, wie schwierig es bei der Stückeauswahl für eine Theatersaison ist, die Spreu vom Weizen zu trennen: Allzu verführerisch ist mancher Prospekt, allzu fragwürdig sind viele Hinweise auf bereits erfolgte Aufführungen bestimmter Bühnen, Regisseure oder Schauspieler.

Die Darsteller von „Überraschung, Überraschung!“ agierten durchaus beherzt, laut und aufgedreht, was im Vorfeld der vermeintlichen Geburtstagsparty ja Sinn macht. Es gab ein paar lustige Gags, für die vor allem Dominique Lorenz und Ralf Komorr zuständig waren, und schließlich muss noch positiv vermerkt werden, dass die Dialoge flott und flüssig abgearbeitet wurden. Kurzum: Ein Abend mit netter Unterhaltung, ein paar Frivolitäten und ordentlichen Schauspielern – weniger lässt sich auch von mancher Fernsehsendung bei den Privatanbietern meist nicht sagen. Begeisterung fürs Theater aber wird anders geweckt.