Sara soll unter die Haube (Sam Bobbrick)

Mit vergnüglicher Kost endet Theatersaison

Eine spritzige Komödie und zwei zugkräftige Namen – Katerina Jacob und Ellen Schwiers – haben zum Ende der Lindauer Theatersaison für ein ausverkauftes Haus und gut gelaunte Zuschauer gesorgt. Dieses Rezept hat bestens gegen die gleichzeitige „Wetten-Dass“-Konkurrenz funktioniert – als Dauerkost wäre es fürs kritischere Publikum allerdings zu wenig.

Keine Frage: „Sara soll unter die Haube“ ist eine gut gemachte Komödie mit köstlichen Einfällen und herrlicher Situationskomik. Darüber hinaus hält sie immer wieder inne, um den Ehe- und Familienalltag mit Kindern in den grellsten Farben auszuleuchten: „Ganz so schlimm,“ so wird sich mancher Zuhörer voller Erleichterung gedacht haben, „ist es bei uns dann doch nicht.“ Diese Komödie lässt keines der gängigen Klischees aus, um ein eindrucksvolles Bild vom Bier trinkenden Gatten und den Lockenwickeln seiner Frau zu vermitteln. Kurzum: Es wird das bewährte Geschütz aufgefahren, um verständlich zu machen, weshalb Sara, die Titelheldin, nicht unter die Haube will. Da bedarf es schon einer Vielfalt von Tricks und Argumenten, bis sie schließlich doch weich wird.

Diesen Part besorgt mit lustvoller Hingabe und zahlreichen Verkleidungen Ellen Schwiers. Als exzentrische Tante Martha will sie dem keuschen Treiben ihrer beruflich erfolgreichen Nichte Sara endlich ein Ende bereiten.

Was tun? Im buchstäblichen Sinn des Wortes lässt sie ihr den Mann gleich mehrmals „zustellen“, den sie für den Richtigen hält. Der ist schon verlobt, aber wie das in Komödien eben so ist, passt Heather – so der Name der Versprochenen – ohnehin nicht so recht zu ihm, verlässt ihn – und so weiter.

„Sara“ ist dankbare Theaterrolle

„Sara“ selbst ist eine überaus dankbare Theaterrolle: Hier darf nach Herzenslust gezankt und geflucht, gelacht und gedroht, entsagt und geküsst werden – Betätigungen, die Katerina Jacob mit Schwung und Begeisterung angeht. Gekonnt spielt sie mit allen Facetten ihrer Stimme, schreit mal los, um danach mit bedrohlicher Zurückhaltung der wachsenden Zudringlichkeit Brandons Herr zu werden. Brandon nämlich ist der Auserkorene, und die Besetzung dieser Rolle ist mit Ralf Komorr bestens getroffen: Die komödiantischen Übertreibungen bleiben im Rahmen, und es gelingt ihm recht überzeugend, den anfänglichen Widerstand gegen Sara schrittweise in Zuneigung, schließlich in Liebe zu verwandeln. Auch Hagen Marks muss in dieser Aufzählung erwähnt werden: Seinen Ein-Mann-Job als Zubringer erfüllt er in bärig-derber Urwüchsigkeit, die manchen zusätzlichen Lacher erzeugt.

Die Regie von Holger Schwiers spürt die belebenden Elemente dieses Stückes zuverlässig auf und hat bis hin zu den Schlussverbeugungen einen wichtigen Anteil daran, wenn sich dieser kurzweilige Theaterabend mit seiner gut verträglichen Theaterkost leicht und wohl auch rückstandslos verdauen lässt.