Die Katze auf dem heißen Blechdach (Tennessee Williams)

Die klangvollen Namen sind keine leeren Versprechungen

Mit Harald Dietl, Michael Lesch, gewiss aber auch Verena Wengler fand sich bei einer in Bad Saulgau und Lindau gezeigten Tourneetheater-Produktion eine Prominenz ein, bei der ihre Bekanntheit mit dem schauspielerischen Können übereinstimmen. Wenn dann noch ein moderner Klassiker wie „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ gegeben wird, erfüllt sich auch der Traum jeden Veranstalters: ein ausverkauftes Haus.

Für einen beschaulichen Theaterabend – die Besprechung bezieht sich auf den Abend im Lindauer Stadttheater – taugt das weltbekannte Schauspiel von Tennessee Williams wahrlich nicht: Durchsetzt von Bosheit, Alkohol und Lügen entfacht der Autor einen beklemmenden Familiensturm, dem sich normalerweise keiner freiwillig aussetzt. Doch die dramaturgische Geschlossenheit dieses Stückes, das – selten genug in diesem Genre – in Echtzeit abläuft, zog auch die Zuschauer in seinen Bann, und daran hatte natürlich die Besetzung der Hauptrollen ihren wesentlichen Anteil.

Wie zeichnet man Brick, den Alkoholiker und Gesellschaftsverächter, oder Maggie, seine im Bett und Ehealltag so unbarmherzig vernachlässigte Frau, ohne sie in allzu große Klischeenähe zu bringen? Regisseur Celino Bleiweiss hat mit Michael Lesch und Verena Wengler zwei Darsteller auf die Bühne gestellt, die sich in ihrer jeweiligen Befindlichkeit und all ihrer Gegensätzlichkeit perfekt ergänzten: hier Michael Lesch, der als „Brick“ intensiv damit beschäftigt war, möglichst viele Flaschen zu leeren und dabei kein Gesicht zu machen, dort Verena Wengler, die der sexuellen Abhängigkeit von Maggie überbordenden Ausdruck verlieh und sich ansonsten keine Erniedrigung ersparte, um dies vielleicht doch noch zu ändern. Umsonst: Ihrer entblößten Brust setzt Brick nur einen weiteren Drink entgegen.

Wuchtig auch der Auftritt von Harald Dietl, der den kalten, machtverwöhnten  „Big Daddy“schon kraft seiner imposanten Statur zum Fürchten spielte. Zur eindrucksvollen Schauspielkunst und zum dramaturgischen Höhepunkt indes wurde seine grausam-zärtliche Auseinandersetzung mit dem vermeintlich verlorenen Sohn, wo das familiäre Lügengebäude ins Wanken gerät: Erstmals entsteht eine Situation, die menschlich zwar schmerzvoll ist, endlich aber wahre und echte Gefühle hervorbringt.

Dem gegenüber fallen Helga Feilerer als „Big Mama“ und Angela Schneider als stets schwangere und vehement aufs Erbe versessene Schwiegertochter doch ziemlich ab – im Original macht es einem der Autor nicht ganz so leicht, die eine plump und die andere geistlos zu finden. Dennoch förderte das Zusammenspiel, dieser unterschiedlichen Charaktere auch manch befreienden Lacher zutage – Wegzehrung auf einem Trip, der kaum eine menschliche Niederung ausließ. So hat „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ sowohl in der gezeigten Eindrücklichkeit als auch in ihrer anhaltenden Popularität gezeigt, dass der Ruf nach harmlosen Boulevardstücken ganz offensichtlich am Bedürfnis der meisten vorbei zielt.