LINDAU – Zwei Dutzend Bands spielen auf der Insel, eine auf dem Schiff, und wieder mal keine im „Patio.“ Auch unter neuer Federführung hat sich das nunmehr elfte Lindauer Kneipenfestival als Besuchermagnet erwiesen und dabei mehr als dreieinhalb tausend Menschen in die Kneipen und auf die Straßen der Insel gelockt.
Die erste Kneipennacht unter der neuen Leitung von „X-Events“ hat bewiesen: Es kommt in erster Linie auf einen gesunden Mix unterschiedlicher Musikrichtungen und eine funktionierende Organisation an. Und beides sollte möglichst durch gutes Wetter unterstützt werden.
Für diesen Mix sorgt ein gut gefüllter Pool mit Bands verschiedenster Ausrichtung, aus dem die Ulmer Agentur schöpfen und den Gastwirten anbieten kann. Die nötige Erfahrung in diesem Veranstaltungsbereich hat sie sich bei ähnlichen Veranstaltungen in mehr als zwanzig Städten erworben. Kommt dann noch das richtige Wetter wie am Samstagabend hinzu, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Wer die vorigen Kneipenfeste miterlebt hat, wird vielleicht die eine oder andere Band vermisst haben. Und jenen, denen auch ein paar Hintergrundinformationen zu den vielen Musikern wichtig sind, wird gewiss auch die bislang übliche Broschüre gefehlt haben. Der alleinige Hinweis auf den Namen, den das Infoblatt verrät, verweist manche Band möglicherweise doch in eine Anonymität und Beliebigkeit, die sie eigentlich nicht verdient hat – gerade sie aber macht den Unterschied zwischen Livemusik und Konserve aus.
Kleine Formationen spielen
Natürlich fiel auf, dass die Besetzungen der Bands nicht allzu groß waren – knackige Bläserformationen, die bei entsprechender Musik zuletzt für den entscheidenden Biss sorgten oder großzügig agierende Percussionisten, die gerade im Salsa-Lager den typischen Überschwang herbeiführten, waren diesmal nicht auszumachen.
Der tollen Stimmung, die sich spätestens ab 22 Uhr über der Insel ausbreitete, hat dies jedoch keinen Abbruch getan. Denn das Angebot dieser „Isle of Music“ hielt durchaus einige musikalische Knaller bereit, die das Partyvolk begeisterten. Dazu gehörten Bands wie „Power Age“, die in der New-Orleans-Hörbar an beste AC/DC-Zeiten erinnerte und deren Sänger die Zeiten des seligen Bon Scott wieder aufleben ließ. In mehreren anderen Lokalen vertraute man auf die immerwährende Wirkung der großen Pop- und Rockzeiten, deren Klassiker etwa in der „Wunderbar“, im „Wintergarten,“ dem „Monte Christo“ oder in Ginos „II Cappucino“ zu hören waren.
Patio darf sich nicht beteiligen
Insbesondere in der Röstbar, wo „44 U“ den Leuten noch bis 2 Uhr etwa mit Hits der „Dire Straits,“ „Eagles“ und „Pink Floyd“ einheizte, hat es noch lange gedauert, bis die Gäste ans Nachhausegehen dachten. Für ausgelassene Stimmung war auch in den Lokalen gesorgt, die auf die Stilrichtungen Reggae (New Mexico) und vor allem Salsa gesetzt hatten, wie es ja im „Chango“, dem „Marmorsaal“ oder dem oberen „Nana“ schon Tradition ist. Und dass man mit Rock’n’Roll und Rockabilly nie falsch liegen kann, hat sich einmal mehr im überfüllten „Treibgut“ (ehemals Z’samm) und im raucherfreundlichen „Plan B“ gezeigt.
Schade nur, dass den emsigen Pächtern im schönen „Patio“ selbst das Mitmachen in Form einer „Chill-Out-Zone“ verwehrt wurde. Dort scheint man die wesentlich lautere Musik in der unmittelbaren Nachbarschaft offenbar jener Musik vorgezogen haben, die dort als musikalischer Gegenpol für die geräuschvolle, aber störungsfreie Nacht geplant war.