25 Jahre Club Vaudeville Lindau

Das Programm des Club Vaudeville (CV): hochklassig und abwechslungsreich; das Engagement seiner Betreiber: groß und professionell. Fast wurde vor lauter Lebendigkeit und ungebrochenem Zuspruch vergessen, dass Lindaus wichtigster alternativer Kulturanbieter in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiern – könnte. Auch wenn an eine solche Feier (bisher) nicht gedacht wurde: ein kleiner Rückblick muss schon sein. Unser Mitarbeiter Winfried Hamann hat sich mit Max Strauß unterhalten.

SZ: Herr Strauss, Sie sind eines der damaligen Gründungsmitglieder des CV und zwischenzeitlich wieder voll dabei: woran liegt es, dass der CV so „alt“ werden konnte und sich offenbar immer noch in vorzüglicher Verfassung befindet?

MS: Wir hatten das Glück, dass es immer Neuzugänge gab, die Verantwortung übernommen haben. Und diese Jungen kamen natürlich auch mit Ideen, Forderungen und Impulsen – und sorgten so dafür, dass der Club vor allem auch für die Jugend attraktiv blieb.

SZ: Angenommen, es gäbe den CV nicht – welche Auswirkungen hätte das Ihrer Meinung nach auf die kulturelle Szene Lindaus?

MS: Dann wäre Lindau so tot wie vor 25 Jahren! Die Situation war damals wirklich so, dass die Studierenden, die zurückkamen oder in den Ferien hier waren, das meiste in Lindau langweilig fanden –  und für die hier Gebliebenen war es das ohnehin. Es war letztlich die erfolgreiche, von uns organisierte U&D-Bewegung, die Impuls gebend für die Gründung des Club Vaudeville war. 

SZ: Wenn wir schon dabei sind: wie viele Besucher kommen jährlich zu den Konzerten des CV, und welchen Anteil haben dabei Leute aus der Region? 

MS: Zu den Konzerten sind es mehr als 10.000 insgesamt – also mit Discos und anderen Veranstaltungen – mehrere 10.000. Wir bieten natürlich auch amerikanische Bands oder andere  viel versprechende Acts an, die oft nur zwei oder drei Auftritte in Deutschland haben; da kommen dann Leute aus dem Umkreis bis zu 400 Kilometer. Um die 640 qm des Clubs (gegenüber 120 qm im alten!) zu verwalten und zu bezahlen, muss allerdings auch die Werbung flächendeckender und aufwendiger sein, was uns andererseits natürlich auch dieses Image einer besonderen und in der Region einmaligen Konzeption verschafft hat.

SZ: Die unvermeidliche Frage: kulturelle Anbieter von Zuschnitt des CV werden in finanzieller Hinsicht seitens der Kommune meist ziemlich im Regen stehen gelassen. Wie sieht das in Lindau aus?

MS: Wie in vielen Städten wird meiner Ansicht nach auch in Lindau zu wenig für Kultur ausgegeben. Doch zeigt sich die Stadt insgesamt recht kooperativ, da mittlerweile die meisten um die soziokulturelle Bedeutung des Club wissen. Wir im Club verwalten im Grunde einen Mangel – oft muss sogar die Ausrüstung für bestimmte Konzerte ausgeliehen werden. Darüber hinaus fallen in den nächsten Jahren auch Unkosten für verschiedene Instandsetzungen an. Besonders viel Geld kosten auch die Ausgaben für Auflagen der Versammlungstätten-Verordnung. Demgegenüber darf man nicht vergessen, dass wir inzwischen auch ausbilden (derzeit z.B. einen Veranstaltungstechniker) und auch eine Zivildienststelle im Rahmen des freien sozialen Jahres „Kultur“ bereit halten.

SZ: Welche kulturellen Bedürfnisse deckt das Programm des CV ab, und in welchen würden Sie gerne noch stärker werden? Gibt es Unterschiede zu den Anfangszeiten in der Gewichtung bestimmter Sparten?

MS: Es läuft das Programm, das die Programm-Macher vorschlagen – und die sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Weniger als früher werden Rhythm & Blues angeboten – dafür gibt es einfach zu wenig Interessenten, um den Club zu füllen.; auch Kleinkunst bieten wir allenfalls im Winter an, die aber wird ja unter dem Jahr im Zeughaus gut abgedeckt. Die Kleinkunst passte ohnehin besser in den ehemaligen Club. Man darf ja nicht vergessen, dass sich seit den Anfängen des Club einfach auch der Musikgeschmack sehr geändert hat – und dem tragen wir Rechnung.

SZ: Worin besteht Ihrer Meinung nach die Besonderheit des CV und worin unterscheidet er sich von anderen Anbietern unserer Region?

MS: Junge Leute können jederzeit neu bei uns einsteigen, und der Vorstand ist gleichberechtigt mit dem Beirat; dadurch haben wir eine sehr basisbetonte Organisation. Jeden Montag wird das künftige Programm besprochen, das dann auch viel für ein junges Publikum bringt; trotzdem sind wir natürlich kein Jugendzentrum.

SZ: Gibt es Veranstaltungen, Konzerte in diesen 25 Jahren, die für Sie Höhepunkt im Kulturprogramm des CV und Lindaus waren? Und welches war aus Ihrer Sicht der größte Flop – finanziell und nach Zuschauerzahlen?

MS: Größter Flop war Joachim Witt – der war sehr teuer  und brachte gerade mal fünfzig Zuschauer; Höhepunkt waren für mich „Gentleman“, die wir heute wahrscheinlich nicht mehr bezahlen könnten.

SZ: Angenommen, Sie hätten zu diesem 25-jährigen Geburtstag des CV Wünsche frei – welche wären das?

MS: Sagen wir mal so: wenn wir 100.000 Euro hätten, wären die schnell ausgegeben, um die technische Ausrüstung auf Vordermann zu bringen und die notwendigen baulichen Maßnahmen durchzuführen. Ansonsten hoffe ich, dass wir noch 25 Jahre weiter machen können.