Werner Specht

Nach dem erfolgreichen Theatergastspiel „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind haben die Wasserburger nun auch musikalisch einen Volltreffer gelandet: Diesmal war es Werner Specht, der zusammen mit seinen Musikern das dortige Pfarrheim bis auf den letzten Platz gefüllt hat. Sie haben den Unterschied zwischen echter Volksmusik und platten Heimatschnulzen ziemlich deutlich gemacht.

Es ist schon eine besonders anregende Mixtur, die der Allgäuer Werner Specht bei solchen Auftritten zusammenbraut: das teilweise exotische Instrumentarium, dann Kurzgeschichten, die vor allgäuerischer Originalität nur so triefen, und schließlich seine dialektverliebten Lieder, die an Abwechslung und stimmigem Gehalt kaum zu überbieten sind. Nein, „koine Sprüch“ wolle er an diesem Abend machen, viel eher ginge es darum, auf die Besonderheiten seines Dialektes einzugehen und, na ja: „mir müsset au unsre Wintrliadr loswära.“ Ein wenig chaotisch könne das Programm vielleicht werden, so hat er uns noch am Anfang gewarnt. Davon freilich war nichts zu spüren, weil das bei Specht natürlich sympathische Methode ist. Und so buhlt die herrliche Instrumentensammlung um den rechten Einsatz, der sensibel von den drei erfahrenen Mitspielern gelenkt wird, und versetzt das Publikum in Verzückung: zwischen Maultrommel und Hackbrett, Steeldrum und Balalaika, ja sogar Banjo und Mandoline nisten sich Werner Spechts literarische Miniaturen ein, und kaum eine ist darunter, die der instrumentale Farbenreichtum nicht zusätzlich veredeln würde. Klar, dass er die Gelegenheit nützt, um dem hoffnungslos überforderten Publikum die Feinheiten seiner Heimatsprache zu erklären, die sich insbesondere in Präpositionswörtern wie „nab“ , „num“ oder „nuff“ auftun, und er gönnt uns auch Einblick in das Geheimnis der Lederhose, die eine wahre Folter durchmachen muss, bis sie den Allgäuer Standard erfüllt. 

Zum hinreißenden Beispiel seiner schöpferischen Fantasie wurde die musikalische Schilderung des „wahnsinnigen Alphorntreffens in Simmerberg“, wo Heiner Merk dem Kontrabass die aberwitzigsten Flageolett-Töne entlockte und so eine akustische Ahnung dieser merkwürdigen Instrumentenbegegnung vermittelte. Meist aber lag eine leise Wehmut über Werner Spechts klugen Texten, und mancher nachdenkliche Textbeginn verwandelte sich nach und nach in ein wunderschönes, allgäuerisch verpacktes Liebeslied. Geschickt hat er die Pausen zwischen diesen Liedern und den kompositorisch überaus reizvollen Instrumentalstücken überbrückt, hat Prosa gelesen und Saiten gestimmt und sich dabei stets als derjenige präsentiert, der munter und in unmittelbarer Nähe zum Publikum ein paar Eindrücke aus seiner geliebten Heimat vermitteln mag. 

Ähnlich, wie es ein paar Tage zuvor der Franke Wolfgang Buck im Zeughaus getan hat, hat allerdings auch Werner Specht auf einen sonderbaren Missstand hingewiesen: die Sendezeiten für anspruchsvolle Volksmusik wie diese pflegt selbst der Bayerische Rundfunk allenfalls auf samstags von 6 bis 8 Uhr in der Frühe zu legen. Und so wird es wohl noch lange dauern, bis ein „Musikantenstadel“ ausgemistet und Musik wie diese an den richtigen Sendeplatz rücken wird. Im Wasserburger Pfarrheim jedenfalls waren die Zuhörer hellwach, erklatschten sich zwei Zugaben und nahmen sich Werner Spechts abschließenden, aus Erfahrung geborenen, aber dennoch fetzig dargebotenen Aufruf gerne zu Herzen: „Musiker soll’d ma ida bscheissa.“ Wohl wahr!