LINDAU – Gestern war in Lindau Auftakt zur „Künstlerbegegnung“. Tänzer und Tanzgruppen aus dem Bodenseeraum haben eine Demonstration ihres Könnens gegeben. Bis einschließlich Sonntag werden in der Inselstadt Kleinkunsttheater, Musik, Modern Dance, Kabarett, Puppenspiel, Chansons, Clown-Pantomime und Zauberkunst geboten.
Fast möchte man nicht glauben, was da mitten in der Woche an geballter künstlerischer Kraft die Lindauer Theaterbühne bevölkert – kostenlos und für jedermann zugänglich. „Jurierung der Tanzvorführungen“ nennt sich das. Doch so unspektakulär sich das anhört, so faszinierend sind die Darbietungen, die sich dahinter verbergen. „Sie & Air“ nennt etwa das Tanztheater Somafon aus Zürich seine Performance, und man stellt erstaunt fest, dass ein unerhört synchrones Tanztrio zusammen mit origineller Akkordeonmusik, Blasebalg und einnehmendem Bühnenlicht eine ganze Geschichte erzählen kann. Da tut sich später eine kunstvolle Projektion im Hintergrund mit zwei Tänzerinnen und ein paar Steppdecken zu einer verblüffenden Ästhetik zusammen, während ein Sprecher in luftiger Höhe Gescheites zur Relativität der Schlafdauer beizusteuern weiß: „ruhen und wecken“ heißt dieser Beitrag aus Appenzell, dessen schlichter Titel eine einzige Herausforderung an die tänzerische Phantasie seiner Akteure wird. Und man wird dabei gewahr, dass es gar nicht unbedingt der Musik bedarf, um die Ausdruckskraft des Tanzes abzurufen. Die Bilder, die sich dabei auf und mit der Bühne entwickeln, sind von solcher Intensität, dass man zuweilen glaubt, ein überdimensionales Bild vor sich zu haben. Die Juroren sind nicht zu beneiden, wenn sie nun aus den vielen, so unterschiedlichen Vorführungen am Samstag, 11 Uhr, im Lindauer Stadttheater ihre Fördergaben verleihen werden.

Doch dass diese „Künstlerbegegnung der Internationalen Bodenseekonferenz“ eine ziemlich einzigartige Chance für einheimische Kulturliebhaber ist, die Spitzenkräfte überregionaler Kleinkunst zu erleben, lässt sich bereits nach den ersten Darbietungen sagen. Und sie bietet darüberhinaus wertvolles Anschauungsmaterial, um auch die lokale Szene zu inspirieren.